Verbraucherschützer warnen vor Nepp mit WM-Münzen und Medaillen. Bei den üblichen Millionenauflagen seien die versprochenen Gewinne kaum zu erwarten.
Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen vor Nepp mit WM-Gedenkmünzen. Die oftmals vollmundig versprochenen "höchsten Wertsteigerungen" seien so sicher wie der Weltmeisterschaftstitel für die Karibikinseln Trinidad & Tobago.
Schwemme an WM-Münzen
Pünktlich zur Fußball-WM läuft das Geschäft mit Gedenkmünzen und Medaillen aus Gold und Silber wieder auf Hochtouren. "Die neueste Zwei-Dollar-Münze zur WM 2006" zum Preis von 10 Euro empfiehlt etwa Ex-Nationalkicker Paul Breitner beim Münzversender BTN. Mehrere «WM-Münzen-Sets» mit "offiziellen Medaillen" der WM-Stadien gab's Mitte Mai beim Discounter Lidl: "für echte Fans - streng limitiert", zum Preis von 9,99 Euro.
Als Beweis für die hohen Gewinnmargen muss bei der Werbung immer wieder die erste Gedenkmünze der Bundesrepublik «Germanisches Museum» herhalten. Die 1952 noch für fünf Mark ausgegebene Silbermünze wird heute tatsächlich für über 1.000 Euro gehandelt. Doch als Vergleich taugt sie laut Verbraucherschützern nicht: Während von der Museums-Münze nur 200.000 Stück geprägt worden seien, liege die Auflage der WM-Münzen bei 3,5 bis vier Millionen.
Limitierung garantiert keine Wertsteigerung
"Obacht ist geboten, wenn Versender eine hohe Wertsteigerung suggerieren und zur Eile drängen", warnt Carl Buhr, Vorstand des Berufsverbands des Deutschen Münzenfachhandels. Wenn Paul Breitner seiner Zwei-Dollar-Münze attestiere, "die streng limitierte Auflage verspricht höchste Wertsteigerungen", dann seien das unverbindliche Werbeaussagen. Ob "limitiert" oder "streng limitiert": das sage nur aus, "dass die Prägeauflage zahlenmäßig festgelegt wurde" - auch wenn es zehn Millionen seien.
Nach Aussagen von Fachleuten schwinden die Aussichten auf Wertsteigerung bei einer Auflage ab 100.000 Stück. Bei kleineren Mengen kommt es auf das Ausgabeland an. Gedenkmünzen etwa aus Paraguay oder von der Elfenbeinküste bleiben im Gegensatz zu europäische Münzen in aller Regel auch als Miniauflagen reine Liebhaberstücke mit geringem Sammlerwert.
Wer sich vom Sammelfieber anstecken lässt, dem droht schnell der finanzielle Abstieg. "Auf keinen Fall sollten Sammler wahllos kaufen", warnt Buhr. Selbst wenn Münzen und Medaillen als "offizielle FIFA WM Gedenkprägung" angeboten würden, besage das lediglich, dass der Weltverband die Rundlinge lizensiert habe - und am Verkauf mit verdiene.
Günstige Münzen als Türöffner
Die Verbraucherschützer weisen zudem darauf hin, dass Münzversender erste Bestellungen gerne als Türöffner nutzen. So bewerbe etwa der Weltbild-Verlag "die offiziellen Silber-Prägungen" der WM-Stadien "für nur 29,95 Euro". Das gelte allerdings nur für das erste Motiv «Berliner Olympiastadion». Die weiteren elf Silberlinge der Serie kämen auf je 69,40 Euro. Endsumme für den ganzen Satz: satte 793,35 Euro.
Ähnliches auch beim Bayerischen Münzkontor: Wer hier für 15 Euro eine WM-Münze des afrikanischen Staats Liberia ordere, erhalte später die Anschlusskollektion "Die WM-Teilnehmer": zwar mit Rückgaberecht, aber ohne Angaben zum Umfang oder Preis der kommenden Lieferungen, wie die Verbrauchschützer kritisieren.
Medaillen
Vorsicht ist auch bei Medaillen geboten. Ob darauf ein Pokal oder Portrait prangt: Die Rundlinge kann jedermann herausgeben. Im Gegensatz zu Münzen sind Medaillen auch kein offizielles Zahlungsmittel und können später oftmals nur zum reinen Materialwert verkauft werden. Sammeln sollte sie deshalb nur, wer Freude an Abbildung und Material habe, rät Fachmann Buhr. "Vielleicht werden die Stücke in hundert Jahren teuer gehandelt, zum kurzfristigen Geldverdienen eignen sie sich nicht."
Quelle: freenet