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Misc

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1

Monday, February 20th 2006, 3:27pm

Nazi-Münzen: Sammler in den Justiz-Mühlen

Nazi-Münzen: Sammler in den Justiz-Mühlen


Es ist ein harmloses Hobby, das Rentner Gerhard A. pflegt: Er sammelt Münzen. Der 65-jährige Schwabinger war sichtlich irritiert, dass er deswegen am Dienstag auf der Anklagebank saß. Denn: Der gelernte Dreher hatte in der Internet-Auktion "Ebay" drei Münzen aus den 1930er Jahren zum Verkauf angeboten, auf deren Rückseite das Hakenkreuz prangte. Das Nazi-Symbol wird juristisch als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation gewertet - und A. hatte es verwendet, öffentlich gemacht. "Das war ein grausames Regime, eine solche unglückselige Zeit", sagte A. "Ich verherrliche da doch nix, wenn ich nur Münzen verkaufen möchte."Völlig seiner Ansicht war der Amtsrichter - und zwar von Anfang an. Denn: Eine Münze sei schlechterdings unverkäuflich, wenn sie nicht gezeigt würde, das sei jedem Kenner der Materie vollkommen klar. Viel lieber hätte der Richter, selbst passionierter Münzensammler, das Verfahren gar nicht eröffnet, doch er sei damit beim Landgericht auf Widerstand gestoßen. Es täte ihm leid, dass A. "in die Mühlen der Justiz geraten" sei. Er werde den Angeklagten freisprechen, auch wenn mit einer Berufung des Staatsanwalts zu rechnen sei. "Ich werde nicht umfallen", sagte er.

Weil sich der Freispruch so deutlich abzeichnete, fasste sich der Staatsanwalt in seinem Plädoyer dann auch kurz. Er erklärte, dass es nicht um die Gesinnung A.s ging, sondern allein um die Verbreitung des Nazi-Symbols. Der Gebrauch dürfe nicht selbstverständlich werden, er dürfe nicht "ins Tagesbild eindringen". Zumal es sich nicht um ein beliebiges Schaufenster, sondern das weltweite Netz gehandelt habe. Er forderte eine Strafe von 875 Euro für den Rentner.

Es kam wie erwartet: Der Richter sprach A. frei, wobei er in seinem Plädoyer betonte, dass er die Sache mit den Hakenkreuzen im allgemeinen überhaupt nicht leicht nehme; nur in diesem Einzelfall komme sie ihm "lächerlich" vor. "In wie vielen Filmen kommen minutenlang Hakenkreuze vor, und da sagt man Kunst dazu", erklärte er. "Aber bei Münzen soll es plötzlich eine Straftat sein."vu

Aus dem Münchener Merkur

Gruß
MISC

Manuel

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2

Monday, February 20th 2006, 5:21pm

Es gibt einem schon zu denken, wenn die deutsche Justiz dem Bürger die Fähigkeit abspricht, mit einem solchem Thema korrekt umgehen zu können.
Ausnahmen bestätigen die Regel.

Und ebenso wie der Staat dieses grauenvolle Kapitel deutscher Geschichte gerne totschweigen will finde ich doch eine Auseinandersetzung mit der Materie unumgänglich.
Wieso soll dies nicht in Form historischer Belegstücke geschehen?

Ich, der nebenher ein wenig Militaria sammelt, habe schon öfters von Fällen wie dem o.g. erfahren.
Der Umgang bzw. das Sammeln solche Belege (neben Münzen auch Fotos oder Ausrüstung) alleine zum Zweck der Dokumentation ist leider in der Gesellschaft noch weithin verpöhnt.
Und mit solch unsinnigen Klagen trägt die Justiz sicher nicht unwesentlich dazu bei :rolleyes:

Schön, wenn hier endlich mal ein gegenteiliges Signal ausgesendet wird. Ein Lob dem Richter =)

This post has been edited 1 times, last edit by "Manuel" (Feb 20th 2006, 5:22pm)


Biewer

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3

Monday, February 20th 2006, 8:59pm

Hallo, Kompliment für den Richter auch von mir. Gerade die 12 Jahre des "Tausendjährigen Reiches" sind ein Zeitraum mit dem wir uns auseinandersetzen sollten und müssen. Dazu gehören auch die Münzen des Dritten Reiches. Das in dem vorliegenden Fall ein Ungleichgewicht vorliegt ist klar - auf der einen Seite wird ein Rentner wegen des Verkaufs von Reichsmünzen mit Swastika (Hakenkreuz) an den Pranger gestellt und in Teilen unseres schönen Landes proben rechte "Lichter" ungestraft den Aufstand mit ganz anderen Symbolen, Feiern und Straftaten der verschiedensten Art.
Gerade die so einfallslos gestalteten Münzen des Dritten Reiches werfen ein bezeichnendes Bild auf diesen Unrechtsstaat. Sie sind aber trotzdem ein historisches Zeugnis, über die auch ein Weg führt Geschichte zu begreifen.
Was Not tut ist ein (wenn auch oft nicht leichter) objektiver Umgang mit den Zeitzeugnissen, ob Münzen, Stahlhelm, Soldbuch oder Mutterverdienstkreuz - ohne das der Sammler gleich in einen Verdacht kommt ein ewig gestriger "Rechter" zu sein.
Ich sage es hier bewußt provokativ - wir heute tragen keine Schuld für diesen Unrechtsstaat sollten aber uns einer gewissen Verantwortung - auch für dessen Zeugnisse - bewußt sein.
Gruß Ralph

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