Wiener Neustadt

      Wiener Neustadt

      Wiener Neustadt ist eine gezielt gegründete Stadt; sie liegt im Wiener Becken in einem Gebiet, in dem von sich aus kaum eine größere Ansiedlung entstanden wäre. Der Babenberger Herzog Leopold V. konnte aufgrund des Lösegeldes, das er für den englischen König Richard Löwenherz erhielt, die Neustadt (Nova Civitas) ausbauen. Der Namenszusatz 'Wiener' setzt sich zur besseren Unterscheidung erst im 17. Jahrhundert durch. Der Beschluss wurde auf einem Taiding (einer Versammlung der Ministerialen) in Fischau im Spätsommer oder Herbst 1194 gefasst. Anfangs diente die Stadt vor allem als Grenzfestung gegen Ungarn im dünn besiedelten Steinfeld. Der Bau begann 1195 nach Leopolds plötzlichem Tod unter seinem Sohn Herzog Leopold VI.

      Die Anlage lehnte sich an die Form eines römischen Lagers an. Der Grundriss der Stadt entsprach einem Parallelogramm mit einer Seitenlänge von 620 m an der Südseite und 685 m an der Westseite. Das Stadtgebiet wurde von vier Hauptstraßen, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet waren und zu den Stadttoren führten, in vier Viertel unterteilt. Im Zentrum war ein Platz in einer Ausdehnung von 180 x 80 m als Markt vorgesehen und im nordwestlichen Viertel wurde ein weiterer Platz als Standort der Pfarrkirche und des Friedhofs ausgespart. Die Stadt wurde durch eine 5 m hohe und 1 m starke aus Stein gefügte Stadtmauer umgeben, die an den Ecken durch massive Ecktürme verstärkt war; die vier Stadttore wurden zusätzlich durch Türme gesichert. Die Stadtmauern wurden durch einen Graben umgeben, der durch örtliche Bäche und vor allem den Kehrbach gespeist wurde.

      Der Stadt wurden wichtige Privilegien erteilt, um ihr Gedeihen zu fördern. Sie hatte die volle Gerichtsbarkeit, das Marktrecht und auch die landesfürstliche Münzstätte wurde spätestens unter Friedrich dem Streitbaren von Fischau nach Wiener Neustadt verlegt. Auch für Wiener Neustadt galt das Privileg „Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag“.

      Im 15. Jahrhundert erlebte Wiener Neustadt eine Blütezeit, da Kaiser Friedrich III. sie neben Linz und Graz als Residenz nutzte. Die Wappenwand an der Burg zeigt ihn inmitten der Wappen seiner Besitzungen. Auch sein Sohn Maximilian I. hielt Hof in Wiener Neustadt, wo er auch in der St.-Georgs-Kathedrale seine letzte Ruhe fand.

      Im Jahre 1469 wurde auf Betreiben Friedrichs III. das Bistum Wiener Neustadt gegründet, welches aber aufgrund des Widerstands der für Niederösterreich zuständigen Bischöfe von Passau nur für die Stadt selbst zuständig war und nicht zum Landesbistum ausgebaut werden konnte.



      Dom von Wiener Neustadt, Liebfrauendom
      Stahlstich - Willmann, Koehler - Darmstadt 1870


      Die Lage und Orientierung des Domes ist Teil der mittelalterlichen Stadtplanung. Seine Achse (Langhaus) schneidet die Nord- und Westseite genau in der Mitte und zeigt dorthin, wo am Pfingstsonntag (24. Mai 1192) die Sonne aufgegangen ist. Dieser Termin entspricht dem Tag, an dem Herzog Leopold V. durch Kaiser Heinrich VI. mit der Steiermark belehnt worden ist. So wurde dieses Ereignis im Grundriss der Stadt verewigt. Ein Jahr später, am Pfingstsonntag 1193 (16. Mai), wurde der Chor ebenfalls nach der aufgehenden Sonne orientiert und der Grundriss des Domes vom Portalpunkt P aus abgesteckt. Die Lage des Portalpunktes wurde als Schnittpunkt zweier Geraden definiert, und zwar der Achse Langhaus mit der Verbindungslinie zwischen dem Absteckpunkt der Stadt A am Hauptplatz und dem NW-Eckpunkt der Stadt (Reckturm). Die Punkte A und P sind heute durch beschriftete Metallmarken lagetreu kenntlich gemacht. Durch die unterschiedlichen Orientierungstage erklärt sich der auffällige Achsknick im Dom zwischen Langhaus und Chor, der nach Süden zeigt. Er wurde bei der Errichtung des gotischen Chores als „heilige Linie“ vom romanischen Bau übernommen.

      Im Jahre 1207 wurden die führenden Pfarrrechte der Mutterpfarre der Pfarrkirche hl. Nikolaus in Lanzenkirchen nach Wiener Neustadt übertragen. Etwa zur gleichen Zeit begann der Bau der Pfarrkirche, die ursprünglich aus dem heutigen Langhaus und den Westtürmen bestand. Anstelle der romanischen Apsis wurde im 14. Jahrhundert ein Querschiff und ein Chor im gotischen Stil errichtet.

      Quelle: wikipedia

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