Der Priesterstand der Römer und ihre heiligen Gebräuche



      Artemis oder Diana


      auch Luna, Selene, Synthia, Delia, Phorbe und Triformis genannt, war die Zwillingsschwester des Apollo, eine Tochter Jupiters und der Latona. So wie Apollo bei den Uiten das Symbol die Sonne war, so war Diana das Sinnbild des Mondes; und da die Scheibe desselben zu verschiedenen Zeiten anders erleuchtet und gestaltet erscheint, diesem Himmelskörper auch von der frühesten Zeit an mancherley Kräfte und Einwirkungen auf die Erde beigemessen wurde, so war die Mythe von der Diana auch verschieden.

      Weil Pflanzen und Früchte auch zur Nachtzeit wachsen und gedeihen, schrieb man der Diana diese Art Fruchtbarkeit zu, und verschmolz so die Vorstellungen von ihr mit denen von der Sybele und Ceres. Da der größte Theil der Menschen zur Nachtzeit geboren wird; so dachte man die Artemis sich auch als Vorsteherin der Geburten und Helferin derer, die Mutter werden, ( und nannte sie daher Ilithia und Lucina ) eben so aber auch - da ein großer Theil der Menschen bey Nacht stirbt, - eine Göttin des Todes, und verwechselte sie in dieser Hinsicht mit der Proserpina und Hekate. So verschieden indes die Mythen von dieser Göttin, deren Deutung angeben; darin stimmen alle überein, daß Diana die Göttin der Nacht, der Fruchtbarkeit und der Jagd gewesen sey.

      Nach den mannichfaltigen Verrichtungen, die man ihr beilegt, erscheint sie auch auf verschiedene Art abgebildet.

      Hier sehen wir die Göttin des Mondes, auf ihrem vierfachen bespannten Wagen, geführt von Hesperus auf den Wolken durch die Lüfte des Himmels schweben.

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      Hera oder Juno


      Eine Tochter des Saturnus und der Rhea, also Jupiters Schwester, mit der er sich rechtmäßig vermählte. Unter den Göttinnen hatte sie den ersten Rang, sie wurde als Königin des Himmels und der Erde verehrt, auch als Vorsteherin der Königreiche, der Reichtümer und der Ehen gedacht, und führte dieser Eigenschaften wegen die Beinamen: Camelia, Zygia, Telia, Pronuba, Juga und Adulte. Der Volksglaube hatte ihr viele Tempel geweiht, deren prächtigste zu Heraeum ( in der griechischen Provinz Argos ) und auf der Insel Somos ( im ägeischen Meer an der Küste von Kleinasien ) bestanden, von welchem letzteren auch den Beinamen Samia führte. Auch zu Rom waren dieser Göttin, wo man sie Lucina nannte, weil man sie für die Helferin bei der Geburt der Menschen hielt, und als solche verehrte, mehrere Tempel errichtet.

      Ihre Begleiterinnen waren Nymphen, Grazien und Horen, von denen letztere die Tais ihre besondere Dienerin war. Unter den Thieren waren der Pfau - auch nach einigen Dichtern, die Gans - und der Kukuk ihr geheiligt.

      Der Opferdienst der Juno ward in weißen Kleider verrichtet. Man opferte ihr mehrentheils Lämmer und weiße Kälber, und zu einem ihrer heiligen Tempel fuhr ihre Priesterin auf einem Wagen mit weißen Ochsen bespannt. Als diese einstmals nicht vorhanden waren, da so eben eine Priesterin ihren Einzug halten sollte, so spannten sich die beiden Söhne der Priesterin, Biton und Kleobus, vor den Wagen, und zogen ihn eine weite Wegstrecke bis zum Tempel. Die Mutter über diesen Dienst ihrer Söhne sehr erfreut, bath die Göttin, ihnen das Beste zu gewähren, was Menschen sich wünschen können. Nach vollbrachtem Opfer waren ihre Söhne im Tempel eingeschlafen, und Juno verlieh ihnen im Schlafe das größte Glück der Sterblichen, einen sanften Tod.

      Der Drache und der Knabe Herkules mit den Schlangen ringend, die zerdrückt, bezeichnet hier die Grausamkeit über Juno bei Verfolgung der Geliebten ihres Gemahls, mit welchem sie in beständiger Eifersucht lebte. Als die sanfte Latena den Apollo und die Diana dem Jupiter gebähren sollte, so ließ sie Juno von einem Drachen ruhelos quälen; Alkmeens Sohn, den Herkules, verfolgte sie sein ganzes Leben hindurch.

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      Amphitheater des Flavius Vespasian


      Gewöhnlich Culiseo genannt, es steht in der Mitte des alten Roms. Vespasian unternahm diesen Bau nach seiner Zurückkunft aus dem jüdischen Kriege. Titus sein Sohn brachte ihn zu Ende, und gebrauchte hierzu 15000 gefangene Juden, die nach der Zerstörung Jerusalems seinen Triumph in Rom verherrlichen mußten.

      Es ist von elyptischer Form, und mißt im Umfang 1610´,8´´, und in der Höhe 152´,8´´. Von gleicher Gestalt ist die Arena im Inneren, oder der Platz, wo die Kampfspiele gehalten wurden, und der zum Behufe der Kämpfer mit Sand überführt war. Sie hatte im Umkreis 766´,8´´, ihre Länge aber betrug 280´auf eine Breite von 178´5´´. Um sie zunächst reihten sich in angemessener Höhe die vornehmen Sitze ( Podium ) für den Kaiser, die Senatoren, Magistrate und die Vestalien. Uiber dem Podium, und immer höher und höher zurückweichend, ließen in drei Abteilungen stufenweise Erhöhungen umher, von 10 bis 15 Stufen aus Marmor, die dritte und höchste aber aus Holz, ( wie sich aus ihrer Wiederherstellung nach einem Brande schließen läßt ) war für die niedrige Klasse der Zuschauer bestimmt.

      Diese endlosen Reihen, die gegen 90000 Menschen sitzend aufnahmen, waren zur Bequemlichkeit der Aus, und Eingehenden von mehreren kleinen Treppen durchschnitten. Die zwei äußeren Corridone, die um das Ganze gezogen sind, bilden breite Bogengänge auf mächtige Pfeiler gestützt, und dreifach übereinander gestellt. Entsetzliche Massen, an die sich die emporsteigenden Stufen übereinander reihten, gleichsam anlehnten, und davon getragen wurden. Im Inneren dieser Bogengänge führten 20 Treppen hinauf in den 3ten Stock, und von da endlich zu den verschiedenen Ausgängen in die Arena, welche, nach Mocrobnis, Vomitoria genannt wurden, weil sie die andrängende Volksmassen gleichsam ausspieen. Noch ist der Koloss nicht fertig. Jetzt erst zieht sich um das ganze eine Ringmauer, die an Höhe den inneren Bau noch weit übersteigt. Achtzig große Bogen zwischen 160 halben Säulen, und so dreyfach übereinander hingestellt, von dorischer, jenischer und korinthischer Ordnung, über weichen sich erst noch eine vierte von korinthischen Pilaren, mit 40 Fenster dazwischen, höher als jede der drei übrigen Ordnungen erhebt, mußten zur Zeit der gänzlichen Erhaltung dieses Gebäudes, einen Anblick gewährt haben, der unbeschreiblich war. Noch jetzt war kaum mehr der 4te Theil davon übrig, fühlte man sich von nie gesehener größe hingerissen.

      Was ließe sich in ganz Rom mit dieser Größe vergleichen! Martial hatte recht:

      Omnis Caesareo cedat Amphiteatro,
      Unum pro cuuctis fama loquatur opus.

      Wie klein siehen die Reste der Tempel und Siegesbögen des Forum neben diesem kolossalen Trümmern!

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      Apollo oder Phöbus


      Der Gott der Jugend und der Schönheit, der Lenker des Sonnenwagens, der Anführer der Musen, der Gott der Dichtkunst, der Musik, der Arzneikunde und der Enthüller der Zukunft, war der Sohn des Jupiter und der Latona und Zwillingsbruder der Diana.

      Seine erste glänzender That war, daß er die Schlange, Pytho, erlegte, von welcher seine Mutter verfolgt worden, und woher er den Beiname, des Pythischen Apollo ward. An der Stelle des Parnaß, wo er diesen Drachen erlegte, wurde ihm der berühmte Tempel erbaut, über eine Höhe des Berges, aus welcher betäubende Dünste stiegen, denen man die Kraft beilegte, daß sie in Entzückung setzten und die Zukunft enthüllten.

      Als Apollo vom Himmel auf die Erde verbannt war, übte er sich einst mit seinem Liebling dem schönen Hyazinthus im Scheibenwerfen, und in der eifersüchtige Zephyr führte die Wurfscheibe des Gottes gegen die Stirn des schönen Knaben, und er sank dahin. Aus seinem Blute ließ Apollo die Hyazinthe entsprießen.

      Nach den verschiedenen Benennungen und Bedeutungen erscheint Apollo auch verschieden abgebildet: als ein blühender schöner junger Mann, mit lockigem Haupthaar, um welches sich ein Lorbeerkranz schlingt, seine schönen Glieder nackt, leicht nur durch einen Mantel bedeckt, der von der Schulter herabhängt, im Arm die Lyra, auf dem Rücken ein ein Köcher mit Pfeilen, die Füße mit zierlichen Sandalen bekleidet.

      Als Helios oder Sonnengott fährt er auf einem Wagen, von vier muthigen Rossen gezogen, das Haupt mit Strahlen umgeben. Ihn in dieser Eigenschaft hier zu bezeichnen, wählte man das Symbol der Waage des Zodiakus, so wie man durch den hier angebrachten Pegasus und die Hippokrene, ihn als Gott der Dichtkunst erkenntlich zu machen, und durch die aufsteigenden Dünste auf der entgegengesetzten Seite des Bildes, und durch die auf dem Boden liegenden Wurfscheibe, an die vorerwähnte glänzende That, und die Begebenheit mit seinem Lieblinge Hyazinthus, zu erinnern glaubte.

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      Hestia oder Vesta


      Die Schwester der Ceres, eine Tochter des Cronos und der Cybele ( des Saturn und der Rhea ) wurde als Symbol des Feuers verehrt und soll die Menschen gelehrt haben, sich desselben zu häuslichen Verrichtung zu bedienen, daher ihr auch der Herd in jedem Hause geheiligt war. Auch wurde sie als Erfinderin der Kunst; Häuser zu bauen, und überhaupt als eine Schutzgöttin der Familie betrachtet.

      Vesta ( als reines Element gedacht ) verschmähte alle Liebe, obschon Neptun und Apollo sich um ihre Zuneigung bewarben, und erhielt auf ihre Bitte vom Jupiter die Erlaubniß, immer im jungfräulichen Zustand bleiben zu dürfen. Wegen ihrer eigenen unbefleckten Reinheit bedachtete man sie daher auch als Beschützerin der Keuschheit.

      Eine schlanke Jungfrau von edler Mine, steht sie vor uns züchtig in ein Gewand gehüllt, mit einem Schleier um das Haupt, in der einen Hand das Szepter mit der Lilie, in der anderen ein kleines Bild der Minerva ( Palladium ) und eine Lampe. Die Erdkugel, welche im Lufträume schwebt, wird vom Strahl des Lampenlichtes, als dem Symbolischen Zeichen ihres reinen Geistes bestrahlet. Auch ein brennender Altar, unter dessen Gestalt sie zuerst verehrt wurde, ist neben ihr angebracht.

      In Griechenland, wo man sie hoch verehrte, waren ihr keine besonderen Tempel, sondern nur einzelne Altäre geweiht, worauf man ihr Gras, wohlriechende Kräuter, oder wohl auch junge Kühe und Schafe opferte.

      Ganz anders war es in Italien und Rom, hier hatte Vesta eigene Tempel und sechs Priesterinnen.

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      Neptun oder Poseidon


      Jupiters Bruder, Sohn des Saturn und der Rhea, erhielt bei der Theilung die Herrschaft über das Meer, und wohnte daselbst in seinem Pallaste. Von den Cyklopen, welche er seinen Bruder zur Hülfe aus dem Tartarus holte, empfing er aus Dankbarkeit den mächtigen Dreizack, der, wenn er damit auf den Boden stößt, die Tiefen der Erde erschüttert, daß Pluto von seinem Throne erschrocken aufspringt; erscheint er aber auf des Meeres Wogen in seinem Wagen, so ebnen sich die Fluthen, und die Bewohner des Meeres kommen aus den Tiefen hervor, und begrüßen ihren König. Unter seinen Befehlen stehen auch die Winde. Er wird als ein ältlicher Mann mit einem wilden Barte und majestätischen Blicke abgebildet; in der Hand den gewaltigen Dreizack ( womit er auf ein eben geschaffenes Land deutet ) auf einem Muschelwagen stehend, gezogen von Delphinen und Seepferden, die sich unten in Fischen endigen, und deren Vorderfüße wie Entenfüße gebildet waren. Seethiere, Tritonen, Delphine und die Nereiden umspringen seinen Wagen.

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      Zeus oder Jupiter


      auch Kronion, Ammon, und der Donner genannt, der oberste der Götter, war ein Sohn des Saturn und der Rhea. Mit seinen Brüdern theilte er, nach der Entscheidung durch das Loos, die Herrschaft über die Welt so, daß er dem Olymp oder dem Himmel, nebst der Obergewalt über alles Vorhandene erhielt, seinem Bruder Neptun aber die Herrschaft über das Meer, und dem Pluto die Herrschaft über die Unterwelt eingeräumt wurde.

      Sowohl die Griechen als auch die Römer hielten den Jupiter für das höchste Wesen, den Vater der Götter und Menschen, den Regierer und Erhalter des Weltalls, der die höchste Macht, Weisheit und Gerechtigkeit besitze, und sich bei seiner Regierung über das Menschengeschlecht von Gerechtigkeit eben so, als von unbegrenzter Liebe und Güte leisten lasse.

      Verschiedene Zeiten und Völker legten dem Jupiter freilich verschiedene Eigenschaften bei, je nachdem die Vorstellungen der Menschen sinnlicher oder veredelter waren, und so kam es, daß er auch mit unrühmlichen menschlichen Eigenschaften, Fehlern, ja selbst mit Begierden und Lastern begabt erscheint.

      In Griechenland wurde Jupiter überall mit großem Eifer verehrt. Mehrere prächtige Tempel, von denen er oft eigene Beinahmen führt, waren ihm in Athen und Agrigent, und in anderen Städten und Landschaften geheiligt; der prächtigste Tempel aber war ihm zu Olympia erbaut, in welchem seine von dem berühmten Künstler Phidias verfertigte fünfzig Ellen hohe Bildsäule, aus Elfenbein und mit Gold ausgelegt, errichtet stand, die man ihrer Schönheit und Seltenheit wegen zu den sieben Wunderwerke ( des Alterthums ) rechnet.

      Im Monat Julius jedes fünften Jahres wurden dem Jupiter zu Ehren bei der Stadt Olympia die feierlichsten, größten und berühmtesten unter den vier heiligen Spiele der Griechen gefeiert, welche, als Nationalfeste, die verschiedenen einzelnen Stämme dieses Volkes auf das Genaueste vereinigten. Sie hießen von der genannten Stadt: olympische Spiele, un dauerten fünf Tage.

      Nicht weniger wie bei den Griechen war Zeus oder Jupiter bei den Römern verehrt. In Rom selbst waren ihm mehrere Tempel, und zwar der am reichsten ausgeschmückte innerhalb des Capitoliums auf dem tarpejischen Berge verrichtet, daher er bei den Römern de capitolinische Jupiter hieß, wie er denn überhaupt nach den verschiedenen Kräften und Wirkungen, die man seiner Gottheit zuschrieb, verschiedene Beinamen führte.

      Jupiter wird abgebildet als ein bärtiger Mann, Hoheit und Ernst in der Haltung und Miene, ein Diadem im Haar, oder eine Krone tragend, einen Scepter in der einen Hand, in der anderen einen zackigen Blitz oder ein Donnerkeil, und neben ihm - als Sinnbild der Scharfsichtigkeit - ein Adler. Hier sehen wir ihn als Ueberwinder der Centimanen und Giganten.

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      Aphrodite oder Venus


      war bei den Griechen und Römern die Göttin der Liebe. Doch unterscheidet sich in der Fabellehre am merklichsten eine ältere und eine jüngere Venus. Die ältere war eine Tochter des Uranus ( daher ihr Beiname Urania, die himmliche ), und durch sie soll die reinste, auf nichts körperliches abzielende Liebe sinnbildlich dargestellt werden. Die jüngere, als Symbol der irdischen Liebe, soll nach einigen Sagen eine Tochter des Jupiter und der Dione ( daher auch Dionöa genannt ) gewesen, nach anderen Mythen aber aus dem Schaum des Meeres entstanden seyn. Deßwegen nannte man sie Anabyomene ( die Meerentsprossene )

      Der Myrthenbaum, hinter welchem sie sich verborgen haben soll, als sie unbekleidet aus den Meeresfluthen auf der Insel Cythera an´s Land stieg, war ihr geheiligt. Auf dieser Insel des kandischen Meeres ( jetzt Sergio ) wurde sie besonders verehrt, führet daher den Namen Cythere oder Cytherea und gleicher weise von anderen Inseln und Orten ihrer Verehrung, die Beinahmen Cypris, Gnidia, Paphia, Idolia u. a. m.

      Venus wird als das höchste Ideal weiblicher Schönheit abgebildet, garnicht oder doch nur leicht bekleidet.

      Weil Venus alle Wesen im Himmel, auf Erden, und selbst im finsteren Tartaeus durch Liebe vereinige, wurde sie auch als Göttin der Hochzeiten und der Ehen betrachtet.

      Bei den Römern wurde ihre Verehrung erst später allgemein. Ihr schönster Tempel stand auf der Insel Sicilien, unweit des Berges Crypp. Hier wurden ihr auch jährliche Feste, Veneralien, gewidmet.

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      Lectusteruium ( Götterspeisung )


      Bei der Feier der sekularischen Spiele bewirthete man die Götter in ihren Tempeln an Tischen, um welche man Betten zum Lager für die Götter, und Stühle zum sitzen für die Göttinnen stellte, und ihnen reichlich Speisen auftrug, welche Ceremonie Lectisternium hieß. Man pflegte die Götter paarweise an die Tische zu setzen, so daß z. B. Jupiter mit der Juno, Neptun mit Minerva, Mars mit der Venus, Apollo mit der Diana, Vulkan mit der Vesta, Merkur mit der Ceres als zusammenspeisend dargestellt wurden. Während daß sie zu Tische saßen, stimmte man ihnen zu Ehren festliche Lieder an.

      Die Betten für die Götter wurden von den römischen Senatoren zuweilen selbst gelegt. Für die Speisen der Götter aber mußten Epuionen sorgen. Anfänglich waren diese Göttermahle frugal und einfach, nachher erstreckte sich der zunehmende Luxus auch auf die Lectisternien, welche man mit einem ungeheuren Aufwande veranstaltete.

      Außer den öffentlichen Lectisternien gab es auch noch andere, welche in den Häusern gefeiert wurden, indem in der Stadt auf allen Straßen die Haustüren offen standen, und folglich bei dem Eingange für die Vorbereitung der Tisch gedeckt war, zu welchen man Bekannte und Unbekannte einlud. Bei dieser Feier war es sogar Pflicht, mit seinem Feinde gütig und sanft zu reden, alles Streites und Zankes sich sorgfältig zu enthalten, auch den Gebundenen an diesem Tage ihre Bande zu lösen.

      Die häuslichen Lectisternien gründen sich auf die schöne Idee, daß die Götter zuweilen selbst unter der Gestallt von Unbekannten und Fremden erschienen, um die Gesinnung der Sterblichen zu prüfen, ob sie das heilige Gastrecht üben oder nicht, weßwegen man sich denn auch die gastfreundliche Aufnahme der Fremden und Unbekannten gleichsam als eine Bewirtung der Götter selber dachte.

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      Demeter oder Ceres


      Bei den Griechen auch Deo genannt, eine Tochter des Saturn und der Rhea, gebar dem Jupiter die Proserpina. Ceres war überhaupt nach der Vorstellung der Alten, die Erdgöttin, das Sinnbild der zahllose hervorbringende Erde, die allernährende Mutter. Dies deutete auch die Mythe durch ihre Verbindung mit der Persepina an. Sie wurde als die Erfinderin des Ackerbaues und Stifterin aller bürgerlichen Gesellschaft vorgestellt, welche durch ihre Künste und ihre Wohlthaten, die bis dahin wild umherschweifenden, meistens nur von Eicheln und Wurzeln sich nährenden Menschen an das Land, wo sie geboren waren, zu fesseln wußte, sie für mildere Sitten empfänglich machte, Ihnen Interesse für Eigenthum und Besitz von Grund und Boden einflößte, ihnen ein Vaterland, und in demselben Schutz und Gesetze gab. Daher auch der Beiname Thesmophoros, den die Griechen der Ceres beilegten.

      Die Römer verehrten die Ceres ebenfalls, aber lange Zeit hindurch, nicht wie die Griechen als erste Ernährerin und Wohlthäterinn der Menschen, sondern als Helferin im Kriege. Sie legten ihr einen wilderen Charakter und andere Verrichtungenbei und brachten ihr zugleich mit der Proserpina in einem Tempel die gewöhnlichen Opfer. Späterhin aber, als sich ihre Vorstellungen von der Ceres immer mehr denen näherten, welche die Griechen von dieser Gottheit hatten, wurden ihr jährlich zur Saatzeit Opferfeste gewidmet, die man Cerealien nannte. Ceres wurde als eine stattliche Frau mildem Ansehen abgebildet. bekleidet mit einem langen Gewande, das Haupt mit Mohn oder Kornähren bekränzt, eine Sichel oder eine Fackel tragend, oft auch allein auf einem mit Drachen bespannten Wagen fahrend, oder auch neben dem Bachus sitzend. Erscheint sie mit einer vollen Brust; so soll dieß die Vorstellung ausdrücken: daß sie, wie eine liebende Mutter ihren Säugling, alle Menschen ernährte.

      Hier sehen wir sie, wie sie den Sohn des Celeus, Tripolemus, die edle Frucht des Weizens schenkt. Auch ihren Drachenwagen machte sie ihm zum Geschenk, damit er auf demselben alle Länder durchfahren, und die Menschen belehren sollte, wie diese Getreideart ausgesäet und benutzt werden könnte; einen Auftrag, den Triptolem getreu ausführte, und so den Ackerbau bis in die entferntesten Länder ausbreitete.

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      Das den Laren oder schützenden Hausgöttern am ersten May dargebrachte Opfer


      Man brachte den Laren am ersten May dieses Opfer dar, weil ihnen vor uralten Zeiten an diesem Tage der erste Altar in Rom errichtet war.

      Wenn durch irgend etwas das alltägliche und gewöhnliche Leben der Alten geweihet, und an religiöse Ideen geknüpft wurde, so war es durch die Verehrung, der Hausgötter, welche gleichsam das ganze häusliche Leben, die Ruhe und Sicherheit der bleibenden Wohnung bezeichneten.

      Die Laren waren kleine Götterbilder, die ihren Platz auf dem gastfreundlichen Herde hatten, der bei den Alten heilig gehalten wurde, und der Vesta, als der Göttin der wohlthätigen Flamme, gewidmet war. Zu den Füßen der Laren war ein Hund von Stein gebildet, zwischen welchem und dem Hausgott man eine sehr naive Vergleichung anstellte, indem man beide als Wächter und Beschützer des Hauses betrachtete, wie man denn überhaupt nach jenen Begriffen gerne die Thierwelt mit der Götterwelt verknüpfte, weil sich die ausgezeichneten Naturen und Eigenschaften der verschiedenen Thierarten am besten zu bedeutenden Symbolen schicken.

      Unter dem Schutz der Laren stand auch die Zubereitung der Speisen auf dem geweihten Herdes. Von jeder Speise brachte man ihnen ein kleines Opfer dar, und weihte dadurch den jedesmaligen Genuß der Nahrungsmittel, so, daß man nach einem schönen Sprichworte der Alten, zum Tische wie zum Altar ging.

      Am ersten May wurde nun dem Schutzgott des Hauses ein frischer Blumenkranz aufgesetzt, weil der Vorige bei der Hitze des Feuers längst versengt war, auch hing man an den Kamin einen großen Kranz dem Lar zu Ehren auf. Uibrigens brachte man ihm täglichein kleines Opfer dar, indem man Weihrauch anzündete, oder Dünkelkorn verbrannte, und ein wenig Wein vor ihm ausgoß.

      Die den Laren geweihte Plätze in den Häuser der Großen hießen Lararia und enthielten gleichsam ein Heiliges und Allerheiligstes. In dem letzteren waren die geweihten Schutzgötter des Besitzers, in dem ersten die Abbildungen vorzüglicher Menschen, eines Plato, Homer, Aristoteles, Sokrates aufgestellt, und diese wurden gewissermaßen zu den Laren oder wohlthätigen Genien gezählt, so daß jedes Haus dadurch gleichsam zu einem Tempel geweiht war.

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      Eine viereckige Begräbnißurne


      Eine der schönsten Urnen, die uns aus dem Alterthum geblieben, ist die vorliegende, welche der Lucia Telesina gewidmet ist. An den vier unteren Ecken sind vier Sphinxe und an den oberen eben so viele Widderköpfe angebracht, von denen Hörnern große Laubgewinde herab hängen. In den vorderen ist die Telesina abgebildet, welche auf jedem Arm ein Knäbchen hält. Von den beyden weiblichen Figuren, die Für ihre Töchter gehalten werden, scheint die eine sehr betrübt zu seyn. Unter diesem Hängewerk sehen wir auch einen Knaben mit drey Ziegen und einem Böcklein. Oben auf dem Hauptgesümse stellt sich uns in einem Dreyfuß zwischen zwey Greiffen das Wahrzeichen des Apollo dar. Auf der anderen Seite des Steins bemerken wir eine Opferkanne, und unter dieser ein Nest junger Vögel, denen die Alten Speise zubringen, wahrscheinlich um damit den Fleiß und die Sorgfalt der Telesina in Erziehung und Verpflegung ihrer Kinder zu bezeichnen. Ganz unten, der Cupido auf einem Delphin sitzend, scheint uns eine bloße Erfindung des Bildhauers zu seyn.

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      Dies war nun der erste Teil des Buches, das aus 6 Heften zu je 8 Drucken und einer Beschreibung gebunden wurde. Zusätzlich sind noch weitere Drucke, mit ägyptischen Motiven, mit eingebunden, die ich hier auch noch gerne vorstellen möchte. Leider sind keine Beschreibungen dazu vorhanden.

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