Glaube und Aberglaube auf Münzen und Medaillen

      Der heilige Burkard

      Der heilige Burkard wurde 683 in England geboren und verstarb 02.02.754 in Homburg am Main.

      Er war von vornehmer Herkunft und Benediktiner, bevor er um 715 von Bonifatius zum Priester geweiht wurde. Darauf hin zog zum Festland zur Verbreitung des Glaubens. Nachdem Burkard der erste Abt des Klosters Rorlach war, wurde er 742 von Bonifatius zum ersten Bischof von Würzburg geweiht.

      In seiner Diözese war er um die Festigung des Glaubens bemüht, da die Franken trotz der Missionierung des heiligen Kilianus und seiner Gefährten Kolonat und Totnan wieder zum Heidentum übergingen.

      750 gründete Burkard das Kloster Sankt Andreas, das später in Sankt Burkard umbenannt wurde.

      Um 753 legte er seine Ämter nieder und lebte als Einsiedler bei Homburg am Main wo er wahrscheinlich am 2. Febuar 754 in einer Tropfsteinhöhle verstarb. Er wurde zunächst im Salvatordom beigesetzt bis Bischof Hugo seine Gebeine 986 in das Kloster Sankt Andras überführen ließ.

      Nun eine Münze

      Bistum Würzburg



      Franz Ludwig von Erthal

      Goldgulden - Kupferabschlag - 1790
      VS : FRANZ.LUD.D.G.EL.BAM.ET WIR.S.R.I.P.O.DUX.- Büste r. davor viergeteiltes Wappen
      RS : S BURKARD PRIME P HERBŸFRO DUX EIN GOLDŸ GULDEN 17 90 - Sankt Burkard steht v. v. mit Schwert und Fahne
      LIT : Schön 184
      GE : 3,52 g

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      Der heilige Andreas

      Der heilige Andreas war einer der zwölf Aposteln und der Bruder des heiligen Petrus. Beide Brüder waren Fischer und lebten in Kapharnaum am See Genezareth. Andreas war zunächst ein Jünger von Johannes dem Täufer, der ihn dann an Jesus verwies.

      Nach der Himmelfahrt Jesus verkündete er gemeinsam mit seinem Bruder Petrus das Evangelium in Griechenland und am Schwarzen Meer. Er befreite den geblendeten Apostel Matthias aus dem Gefängnis in Mirmidonia und gab ihm das Augenlicht wieder.

      In Patras heilte Andreas die Frau des Stadthalters Ägeas, Maximilla, die sich darauf hin zum Christentum bekehrte. Ägeas jedoch, ein erbitterter Feind des Christentum, ließ Andreas geißeln und auf einem x-förmigen Kreuz, dem Andreaskreuz, binden. Zwei Tage lang predigte Andreas am Kreuz gebunden, ununterbrochen, das Evangelium, bevor er am 30. November des Jahres 62 in ein himmliches Licht gehüllt wurde und verstarb.

      Da der Heilige Andreas auch als Patron der Bergleute gilt, finden wir sein Abbild häufig auf Ausbeute-Münzen.

      Hier nun einige Beispiele.

      Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Hannover



      Ernst August 1679-1698

      1/3 Taler - Clausthal - 1690
      MM : Heinrich Bonhorst (1675-1711)
      VS : «ERNESTUS•AUGUSTUS•D•G•EP : OSN : D•BR : ET LUNEB :« / FEIN - SILB : - Gekröntes Wappen auf gekreuztem Schwert und Krummstab, zwischen Münzmeisterzeichen H - B
      RS : SANCT : ANDREAS - REVIVISCENS•1690 - Sankt Andreas mit Kreuz
      LIT : Welter 1987
      GE : 6,46 g

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      Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Hannover



      Georg I Ludwig 1698-1727

      2 Mariengroschen - Clausthal - 1708
      MM : Heinrich Bonhorst (1675-1711)
      VS : «GEORG : LVD : D•G•BR•ET•LVN : S•R•I•EL• - «II« / MARIEN / GROS : / FEIN•S• / H•B
      RS : «S•ANDREAS•REVIVISCENS« / 1708 - Der heilige Andreas v. v. mit Kreuz
      LIT : Welter 2201
      GE : 1,11 g

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      Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Hannover



      Georg II 1727-1760

      Dukat - Clausthal - 1732
      MM : Christian Philipp Spangenberg (1725-1753)
      VS : S - Der heilige Andreas v. v. mit Kreuz
      RS : I / PFENNING / SCHEIDE / MVNTZ / 1732
      LIT : Welter 2542 Schön 183
      GE : 3,42 g

      Da die Ausbeute an Gold sehr gering war, verwendete man einfach die Pfennig-Stempeln, um nicht extra neue Stempeln anfertigen zu müssen.

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      Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Hannover

      Georg II 1727-1760



      Pfennig - Clausthal - 1734
      VS : Der heilige Andreas v. v. mit Kreuz
      RS : «I« / PFENNING / SCHEIDE / MÜNTZ / 1734
      LIT : Welter 2649 Schön 183
      GE : 3,27 g

      Auch die Kupfernen sind Ausbeutemünzen



      1/6 Taler - Clausthal - 1753
      MM : Johann Wilhelm Schlemm (1753-1790)
      VS : GEORG•II•D : G - M•B•F&H•REX•F•D•17 - 53• / N•D•REICHS•F - FEIN•SILB• - Gekröntes Wappen, darunter Wert
      RS : BR•ET•LUN•DVX•S•R•I•A•TH•ET•EL / I•W•S - Heiliger Andreas mit Holzkreuz
      LIT : Welter 2616
      GE : 3,31 g

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      Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Hannover



      Georg III - 1760-1820

      Pfennig - Clausthal - 1783
      MM : Johann Wilhelm Schlemm (1753-1790)
      VS : IWS - Der heilige Andreas v. v. mit Kreuz
      RS : I / PFENN: / SCHEIDE / MÜNTZ. / 1785
      LIT : Welter 2883
      GE : 3,26 g



      4 Pfennig - Clausthal - 1794
      MM : Philipp Ludwig Magius (1792-1800)
      VS : PLM - Der heilige Andreas v. v. mit Kreuz
      RS : 4 / PFENNING / SCHEIDE / MÜNTZ / 1794
      LIT : Welter 2877
      GE : 12,69 g

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      Chronos

      Chronos der Gott der Zeit entstammt den Mythen der Orphiker.

      Am Anfang steht bei den Orphikern die Zeit Chronos, von dem Aither, Erebos und Chaos abstammen. Chronos schafft ein Ei in Aither, aus dem Phanes, der Schöpfer aller Dinge, schlüpft. Phanes gibt die Herrschaft an seine Tochter und Gemahlin Nyx ab, die sie wiederum ihrem Sohn Uranos übergibt. Als Zeus die Macht übernimmt, verschlingt er Phanes und schafft die Welt von neuem.

      Hier eine Münze:

      Nürnberg Stadt



      Kreuzer - 1799
      VS : Geflügelter Chronos lagert l. in einer Wolke, in der erhobenen Rechten ein Ei mit der Jahreszahl 1799, in der Linken eine Sense
      RS : |I| / • / NÜRNB. / KREÜ / ZER - Kranz
      LIT : Schön 106
      GE : 0,85 g

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      Der heilige Karl der Große

      Der heilige Karl der Große wurde am 2. April 747 oder 748 geboren und verstarb am 28.01.814 in Aachen.

      Karl der Groß war nach dem Tod seines Vaters Pippin dem Kleinen im Jahre 768, gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann, König der Franken. Nach dem Tod seines Bruders übte er die Alleinherrschaft aus. Er gewehrte dem aus Rom geflohenen Papst Leo III Asyl und bestätigte ihm die Herrschaft über dem Kirchenstaat.


      Am 25.12.800 wurde Karl der Große vom Papst Leo III zum Kaiser gekrönt.

      Neben seinem lockeren Lebenswandel und seinen brutalen 30-jährigen Sachsen-Krieg, legte er auch die Fundamente für ein Christliches Abendland. Er lies zahlreiche Klöster und Kirchen bauen, hohlte zahlreiche Reliquien ins Land, für die Pfarreien führte er den Pfarrzehnte ein.

      Am 28.01.814 verstarb er in Aachen, wo er in der Pfalzkapelle, in einem römische Marmorsarkophag beigesetzt wurde.

      Auf Veranlassung Kaiser Friedrichs ( Barbarossa ) erfolgte 1165 durch den kölner Erzbischof Rainald von Dassel die Heiligsprechung Karls des Großen, mit der Zustimmung des Gegenpapstes Paschalis III aber gegen den Willen Papst Alexander III.

      Seine Heiligsprechung ist offiziell nicht anerkannt.

      Hier nun die Münzen

      Aachen Reichsmünzstätte im Jülichem Pfandbesitz



      Reinald Herzog von Jülich 1402-1423

      Tournose - 1421
      VS : ••SЄS:RAROL:MA = G:IPЄRATO´Ø - Brustbild Karls des Großen mit Krone, Heiligenschein, Aachener Dom und Reichsapfel, hinter Adlerschild
      RS : +MONЄTA:VRB´◦AQVS´ / +ANNO:DOMINI:MILЄSIMO:CCC:XXI - Kreuz
      LIT : Menadier 118
      GE : 2,08 g

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      Wow, Hans-Jürgen. Das ist, wie ich finde, ein historisch höchst interessantes Exemplar.

      Karl der Große war sicher eine der bedeutendsten Personen der Geschichte. Der erste römische Kaiser nach dem Fall Westroms, der wichtigste Herrscher der karolingischen Dynastie (eigentlich Pippiniden nach Pippin dem Älteren, Hausmeier der Merowinger), Gründer Europas, Leitfigur der Deutschen und Franzosen, Förderer von Bildung, Verbreiter des Christentums und Bekehrer der Heiden... mit Flamme und Schwert. Nur eines war er sicher nicht: ein Heiliger.

      Wie du schon erwähnt hast ging er in der Missionierung der Sachsen mit außerordentlicher Brutalität vor. Er vernichtete Ihre Heiligtümer (Zerstörung der Irminsul), zwang sie zur Taufe, tötete sie hemmungslos bei Weigerung und führte einen persönlichen und symbolischen Krieg mit dem Sachsenherzog Widukind.

      Man erinnere sich nur an das sogenannte „Blutgericht von Verden“. Hier erinnern heute noch 4.500 Findlinge an die dort angeblich stattgefundene Hinrichtung von 4.500 Sachsen, die Karl als einen Akt der Rache vollzogen haben soll. Nicht sehr christlich möchte man sagen... Dieser Massenmord ist zwar nicht bewiesen, auch die Zahl der Getöteten wird angezweifelt. Dennoch wirft dieser Akt, der (ob wahr oder nicht) für die Kompromisslosigkeit und Brutalität der Sachsen-Unterwerfung steht, einen Schatten auf Karls Vita.

      Die Heiligsprechung Karls unter Friedrich I. Barbarossa hatte eigentlich auch nichts mit seiner „Heiligkeit“ zu tun, sondern war eine Idealisierung und eine Legitimierung der Gottgleichheit des Kaisertums. Letztlich ein politisches Instrument. Die Staufer wendeten das später auch noch einmal unter Friedrich II. an der persönlich den Karlsschrein zunagelte. Barbarossa hatte arge Probleme mit dem damaligen (von dir angesprochenen) anhaltenden Schisma. Barbarossas Anerkennung für Karl ist auch heute noch im Octogon des Aachener Doms zu bewundern: Dort hängt der „Barbarossaleuchter“, ein Radleuchter von 4 Metern Durchmesser, gestiftet in der Zeit 1265-1270.

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      Mit der Beurteilung historischer Figuren aus heutiger (moralischer) Sicht habe ich meine Probleme. Was heute als menschenverachtend gilt, war zu anderer Zeit vielleicht "nur geduldete Härte gegenüber Fehlgeleiteten" oder eine "notwendige Unterwerfung zur Durchsetzung von Machtansprüchen". Totalitäre Herrscher hatten oft auch einen gottähnlichen Status, was auch so manchen Übergriff erklären könnte - sofern man will.

      Wie rasant sich moralische Parameter ändern, kann doch ein jeder mit wenigen Jahrzehnten Lebenserfahrung selber feststellen. Ich hatte z. B. noch einen Lehrer, der durchaus mal "zulangte" (was mich übrigens auch nicht aus der Bahn geworfen hat). Heute ging er dafür in den Knast. Deshalb halte ich es eher so: Dokumentieren ja, Kommentieren nein.
      Herzliche Grüße aus Waldeck
      Wolfgang M.
      www.Waldecker-Münzen.de
      www.Waldecker-Münzfreun.de
      Hast du vielleicht Recht. Ist aber auch weniger ein Kommentar meinerseits, sondern ein historisch gestützter.
      Das z.B. der erwähnte Verdener Sachsenmord einen faden Beigeschmack hinterlässt, ist bekannt. Vor allem, weil er ihn monatelang nach dem Ereignis auf das sich seine Rachegelüste bezogen durchführen ließ. Darüber wird gerätselt, und dies würde ja auch eine charakterliche Einschätzung möglich machen. War Karl so nachtragend jähzornig? Auch ist nicht zu bezweifeln, dass sich die Heiligsprechung Karls durch Barbarossa und „seinen“ Papst auf ein politisches Motiv reduzieren lässt. Sicher gab es da auch eine Verehrung seitens des Rotbarts, vielleicht auch der wahre Glaube an die Gottgleichheit des Kaisers. Aber für eine Heiligsprechung reicht das wohl unter normalen Umständen nicht. Hat sich ja auch nicht bewährt. Das war Berechnung und eine Stärkung der eigenen Position und des Machtanspruchs.

      Nebenbei erwähnt: Ein Mord an 4.500 Sachsen, kaltblütig, herzlos, die Aller rot färbend vor Blut (sicher übertrieben), hat schon damals die Menschen geschaudert. Ich denke, das unterliegt keiner geschichtlich periodischen Einschätzung.
      Ich habe gerade noch mal nachgeschaut, bin aber nicht ganz sicher: Ist Karl heute noch ein Heiliger? Es gibt wohl noch den eingetragenen Tag: 28. Januar. Ich meinte aber mich zu erinnern, dass seine Heiligkeit, die ja nie ordentlich offizell anerkannt wurde, irgendwann im 16. oder 17. Jahrhundert getilgt wurde. Oder hab ich das was falsches im Kopf?! ?(

      Übrigens wäre Geschichte doch fad, wenn sie nicht in moralische, charakterliche und emotionale Interpretation ausufern würde, sondern lediglich trocken die Fakten behandelt. :)

      wpmergel schrieb:

      Mit der Beurteilung historischer Figuren aus heutiger (moralischer) Sicht habe ich meine Probleme.
      Da hast Du mit Sicherheit Recht, zumindest ohne die damalige Sicht mit in Betracht zu ziehen. Aber Karl der Große war auch schon damals 1156, wo sich die Sicht in den 250 Jahren noch nicht sehr verändert hatte, schon umstritten.

      Der Sachsen-Krieg mit all seiner Gräueltaten war, aus damaliger Sicht, bestimmt nicht verächtlich, das töten von Nicht-Christen zum sichern und verbreiten des Glaubens war legitim ( Kreuzzüge ). Der lockere Lebenswandel war schon was ganz anderes, aber auch der spielte wohl keine große Rolle.

      Einzig entscheidend war die Konkurrenz zwischen Kaiser und Papst, wer die höchste Weltliche Macht war.

      Schon in der Antike wurden Städte von Göttern erschaffen, der Stammbaum der Adeligen reichte bis auf die Götter zurück. Im Christentum hatte man keine Götter mehr, also kamen die Heiligen um die Macht zu begründen und zu stärken.

      Der Papst als Nachfolger auf dem Stuhl des Heiligen Petrus, und nun auch noch der Kaiser als Nachfolger des Heiligen Karls des Großen…

      Ich denke schon das man solche Themen auch aus Moralischer-Sicht diskutieren sollte, um zu einem Urteil zu gelangen, nur so kann man die Vergangenheit verstehen.

      Karl der Große ist nie als Heiliger oder Seeliger offiziell vom Papst anerkannt worden, seine Verehrung als Seeliger wurde nur geduldet.

      Hier noch eine Münze

      Aachen Stadt



      Mark - 1753
      VS : MON•REG•SEDIS•URB•AQUISGR - Hüftbild Karls des Großen v. v. mit Krone, Heiligenschein und hält Schwert und Reichsapfel
      RS : +FRANCISCUS•I•D.G:ROM•IMP•SEMP•AVG - +I+ / MARCK / +ACH+ / 1753
      LIT : Menadier 265
      GE : 0,76 g

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      Tube schrieb:

      Ich denke schon das man solche Themen auch aus Moralischer-Sicht diskutieren sollte, um zu einem Urteil zu gelangen, nur so kann man die Vergangenheit verstehen.

      Ich kann Wolfgang in seiner Auffassung nur bestätigen. Es kann z. B. für einen Historiker keinen schlimmeren Fehler geben, als eine historische Person oder Handlung aus den moralischen Grundsätzen der heutigen Zeit heraus zu beurteilen. Dies verfälscht nicht nur die Wirklichkeit, sondern verstellt uns auch den Blick auf unsere eigene Vergangenheit.

      Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein Beispiel, dass ein Dozent im Grundlagenseminar Alte Geschichte erzählte, um uns Neusemestern zu verdeutlichen, warum man einen historischen Befund immer versuchen sollte aus der jeweiligen Zeit heraus zu verstehen. Im 19. Jahrhundert wurden in einer Höhle in der Schwäbischen Alb zahlreiche Skelette von Frauen und Kindern gefunden. Alle Schädel wiesen stumpfe Schlagverletzungen auf. Der Fund wurde sofort von den Stuttgarter Zeitungen unter der Schlagzeile "Menschenfresser in der Schwäbischen Alb" aufgegriffen und ausführlich breitgetreten.

      Der wissenschaftliche Befund zeigte allerdings rasch, dass alle Opfer zum gleichen Zeitpunkt ums Leben gekommen waren. Fazit: Eine extreme Kälte- und/oder Hungerperiode drohte die Existenz der steinzeitzlichen Horde zu gefährden. Legt man heutige Maßstäbe an, so war dies ein "Massenmord". Aus der Sicht eines Steinzeitmenschen jedoch sicherte dies das Überleben der restlichen Horde. Dies mag wohl ein etwas drastisches Beispiel sein, zumal man gezwungenermaßen immer mit einem Auge auf unsere jüngste Vergangenheit schaut. Aber historische Ereignisse lassen sich nur erfolgreich aus der jeweiligen Zeit heraus verstehen.

      Was nun Karl den Großen anbetrifft, so konnte er seine Stellung als Herrscher über das christliche Abendland eben nur aus dem Eintreten für das Christentum und damit aus seinem Bemühungen (Kriegen) um die Christianisierung der heidnischen Alamannen und Sachsen legitimieren.
      mit freundlichem Gruß

      IVSTVS
      ____________________
      Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.
      Unbestritten. Aber, ich kann mich nur wiederholen, charakterliche Zusammenhänge sind für mich genau so wichtig. Und, ich wiederhole mich nochmal, ein Mord an 4.500 Menschen, wenn auch Heiden, war damals schon ein Aufreger. Natürlich sind Fakten standhafter als Mutmaßungen. Aber das eine schließt das andere nicht kategorisch aus. Theorien sind doch in der Geschichtsforschung unentbehrlich. Das Karl damals völlig legitim missionierte, ist klar. Auch die Methoden sind heute natürlich nicht mehr messbar oder vergleichbar. In sofern an die nicht mögliche moralische Interpretation aus heutiger Sicht: Haken dran. Nichitsdestotrotz lässt sich ja ohne emotionale Schwarzmalerei entkräften, dass Karl nur aus Heiligkeit ein Heiliger wurde. Und darum ging es ja.

      By the way: Das Beispiel mit den Menschenfressern ist aber auch eins für Doofe, oder? :)
      Das mit dem Beispiel für Doofe ist natürlich auf die Menschen bezogen, die nach so einem Fund gleich von wilder ungebändigter Menschenfresserei ausgehen. Denn das ist doof, und würde meiner Meinung nach mehr zur BILD passen als zur Stuttgarter Zeitung. Auch wenn ich das Blatt nicht kenne...! Es ist halt toll, immer gleich von dem Schlimmsten zu berichten. Dagegen ist ja reiner Überlebenskampf glatt langweilig. Aber wissenschaftlich ist das natürlich leicht übereilt.

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