Angepinnt Radierung

      Radierung (von lateinisch radere = kratzen, wegnehmen, entfernen) bezeichnet ein grafisches Tiefdruckverfahren der künstlerischen Druckgrafik.

      Gleichzeitig mit der Entstehung der Papiermühlen im 15. Jahrhundert tauchten die ersten „Drucke“ auf, welche vor allem Waffenschmiede und Goldschmiede herstellten, indem sie Ruß in die Vertiefungen ihrer Verzierungen rieben und Abdrücke nahmen. Wahrscheinlich diente dies der Reproduzierbarkeit und Dokumentation. Die Verzierungen wurden in Musterbüchern festgehalten und konnten so auf andere Objekte übertragen werden (siehe auch Ziselieren, Stahlstich). Eine Frühform ist von Masaccio um 1400 überliefert.

      Aus dem Jahr 1513 sind aus dem Bereich der Waffenschmiedekunst die ersten Eisenätzradierungen (mit Essig und Salz) bekannt. Diese Technik setzte sich aber nicht durch, weil Eisen schnell Flugrost ansetzt.
      Albrecht Duerer (1471 bis 1528 ) hatte bei seinem Vater, der Goldschmied war, eine kurze Goldschmiedelehre absolviert, bevor er 1486 beim Nürnberger Maler Michael Wolgemuth in die Lehre ging und dort eine Ausbildung als Maler, Zeichner und Grafiker erhielt. Er vervollkommnete den Kupferstich, machte Versuche mit Ätztechnik (Eisenradierungen) und arbeitete mit Kaltnadelradierung. Seine ersten Eisenradierungen (Christus am Oelberg, Die Grosse Kanone...) stammen von 1515, siehe dazu auch Geschichte der Graphik.

      Der aufwändige manuelle Arbeitsprozess, mit dem beim Kupferstich die Linien in die Druckplatte eingegraben wurde, wurde durch die Entwicklung der Radierung vereinfacht, weil der manuelle Kraftaufwand zur Linienherstellung auf der Platte nun durch chemisches ätzen ersetzt wird. Gezeichnet wurde nun in die Wachs-/Asphaltschicht auf der Platte. Die Radierung erreichte zwar nicht die Abbildungspräzision des Kupferstichs und löste damit dieses Ausdrucksmittel als wichtigstes Medium der Buchillustration nicht ab, erweiterte jedoch die druckgrafischen Techniken um die Möglichkeit, den individuellen, flüssigeren Zeichenstil wiederzugeben. Frühe Meister der Radierung waren Matthaeus Merian und Wenzel Hollar.

      Die Blütezeit der Radierung als Reproduktionstechnik lag im 18.Jahrhundert. Künstler, die ihre eigenen Arbeiten bereits als Mappenwerke planten und eigene Bildentwürfe in Drucktechnik übertrugen, wurden im Gegensatz zu den Reproduktionsstechern als „Peintre-graveur“.(auch Malerradierer, Maler-Stecher, Stechmaler) bezeichnet. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts verloren Radierung und Kupferstich ihre Bedeutung durch die Erfindung der Lithographie, des Cliches und der Autotypie, die den Druck hoher Auflagen in den Massenblaettern ermöglichten.

      Von der Bürde der Reproduktionstechnik befreit, entwickelte sich die Radierung zu einem eigenständigen Zweig der künstlerischen Grafik. Private (bürgerliche) Sammler entdecken die Arbeiten als erschwingliche Moeglichkeit, Kunst zu sammeln. Zur Mitte des 19.Jahrhunderts entdeckten Künstler den Reiz und die Möglichkeiten der Radierung neu.

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