Der Reichstaler

      wpmergel schrieb:

      Beim Saalfelder Reichstaler wurden die 4 Wappenschilde konzentrisch angeordnet, sodaß das untere Wappen kopfstehend ist. Diese Anordnung ist unüblich und schon deshalb interessant.
      Interessanter Aspekt, den du da ansprichst, Wolfgang. Frage: Warum wurde diese ungewöhnliche Anordnung hier gewählt ? Laune des Stempelschneiders oder ...
      mit freundlichem Gruß

      IVSTVS
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      Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.

      RDR, Reichstaler 1705 Kaiser Leopold I.

      Ich habe mal einen einfachen Taler des Jahres 1705 mit dem Porträt von Kaiser Leopold I. ausgewählt, der in eben diesem Jahr das Zeitliche gesegnet und den Habsburger Thron an seinen Sohn Joseph abgetreten hat. Das Porträt zeigt überdeutlich das für die Familie der Habsburger kennzeichnende und nicht besonders vorteilhafte Merkmal der übergroßen Unterlippe des Kaisers.

      Avers: Porträt nach rechts in drapierter Rüstung mit Allonge-Perücke, Umschrift LEOPOLDUS D.G. ROM.IMP.S.A.GE.HV.BO.REX.
      Revers: Bewehrter und bekrönter doppelköpfiger Adler mit großem Brustschild, Umschrift ARCHIDVX.AVSTRIAE.DVX.BVR.COM.TYROL.1705

      Fast Stempelglanz. Voglhuber 234/VIII
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      Scio ut nescio sed tamen cogitare necesse est

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      Großartiges Exemplar. Die äusserliche Veränderung der Habsburger finde ich sehr interessant. Zeitraum und Ursache sind zwar völlig anderer Natur, aber mich erinnert das immer ein wenig an die Veränderung des Maximinus Thrax. Einfach tolle und authentische Zeugnisse der Geschichte! Danke für's zeigen! :thumbsup:

      RDR, Reichstaler 1638 Kaiser Ferdinand III.

      Ferdinand III. (1625 ungarischer, 1627 böhmischer und 1636 römischer König) war der Sohn Kaiser Ferdinands II. Nach Wallensteins Ermordung wurde er Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres.
      Unter seiner Führung wurden die Schweden in der entscheidenden Schlacht bei Nördlingen besiegt. Ferdinand sicherte zwar das katholische Bekenntnis in den österreichischen Erblanden, war aber doch in den religiösen Fragen weit gemäßigter als sein Vater. Deshalb war auch der Friede von Prag (1635), in dem es um die Verständigung mit den evangelischen Reichsständen und die gemeinsame Wendung des Reiches gegen die auswärtigen Mächte ging, wesentlich mit sein Werk.
      Bei aller Wahrung der habsburgischen Hausinteressen war er doch dem spanischen Einffluss im Reich wenig zugetan und auf seine Art patriotisch. Ein gescheiter und geschickter Fürst, suchte Ferdinand die Stellung des Kaisers im Reich zu stärken.
      Trotz aller Beharrlichkeit kämpfte er jedoch in der letzten Phase des Dreißigjährigen Krieges wenig erfolgreich und vermochte die Zersplitterung des Reiches und die Gebietsabtretungen an Schweden und Frankreich im Westfälischen Frieden - um dessen Anbahnung er sich seit 1641 bemüht hatte - nicht zu verhindern.

      Der unten gezeigte Taler, geprägt in Graz im Jahr 1638, also ein Jahr nach der Kaiserkrönung, zeigt auf der Vorderseite das Porträt des Kaisers in Rüstung. Die Umschrift lautet im Avers FERDINAN III DG ROM IMP S A H BO REX, Jahreszahl 1638 unter der Büste. Die Umschrift im Revers lautet ARCHI AVS DVX BUR STYRIAE TE C
      Voglhuber 193/1, Herinek 394, Davenport 3185
      corrado26
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      Scio ut nescio sed tamen cogitare necesse est

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      Hallo Corrado! Also, ich kenne keine so schöne Galerie zu dem Thema wie diese hier.
      Ich erinnere mich gerade nicht genau, ob ich die Frage schon einmal gestellt habe... Wie lange gehst du deiner Leidenschaft schon nach? Der Umfang deiner Sammlung, mal abgesehen von der unheimlich tollen Qualität der gezeigten Stücke, ist ja schon enorm!!!
      Im Alter von 8 Jahren erhielt ich von meinem Opa zum Geburtstag einen Maria-Theresia-Taler, das war der Erste und damit begann alles. Es gab in den vergangenen sechs Jahrzehnten zwischendurch zwar immer mal wieder längere Pausen der Talerbegeisterung, im Großen und Ganzen bin ich dem Thema über all die Jahre aber treu geblieben, habe mich aber schon recht früh auf die Talerprägungen des RDR und Süddeutschlands beschränkt. Natürlich sind bei weitem nicht alle meine Stücke in vz-Erhaltung, manches ist auch geringer erhalten.
      corrado26
      Scio ut nescio sed tamen cogitare necesse est

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      Finde ich großartig, dass dir die Leidenschaft von deinem Opa "eingeimpft" wurde! Denn eine wichtige Rolle beim sammeln (so empfinde ich es jedenfalls) ist doch der emotionale Wert einer Münze oder eben der emotionale Impuls der dahinter steckt. So ist dein erstes Stück (ich denke mal, du besitzt es noch) nicht nur der Beginn einer Geschichte, sondern auch ein tolles Andenken! So wird Sammeln erst richtig schön :thumbsup:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Andicz“ ()

      Ja, dieser erste Maria-Theresia Taler ist immer noch Teil meiner Sammlung und hat dort auch einen Ehrenplatz. Allerdings haben sich im Laufe der Zeit doch viele andere dazugesellt. Die betrachte ich aber nur als "Dagobert-Duck'schen Silberhort" mit momentan rückläufigem Wert.
      corrado26
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      Scio ut nescio sed tamen cogitare necesse est

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      Ich bin verwirrt...

      Bewahrst Du Deine Taler in einer -zugegeben traumhaften- Kiste auf? Onkel Dagobert hatte m. W. einen Swimmingpool voller Geld und da Du Dich explizit darauf beziehst, wirst Du uns ein Bild von Dir beim Baden im Pool sicher noch nachreichen.

      Scherz beiseite - wäre das nicht ein schönes Thema für einen neuen Faden? "Meine erste Münze und wie kam ich dazu?"
      Herzliche Grüße aus Waldeck
      Wolfgang M.
      www.Waldecker-Münzen.de
      www.Waldecker-Münzfreun.de
      RDR, Taler Erzherzog Ferdinand, geprägt in Ensisheim im Elsass

      Der hier gezeigte Taler mit dem Vorderseitenporträt von Erzherzog Ferdinand (1564-1595) ist zwar einer der selteneren Art, hat auch einen Schrötlingsfehler, deswegen stelle ich ihn jedoch nicht vor. Interessant an diesem Stück ist die Umschrift des Revers. Sie lautet "DVX BVRGundis LANDgravius ALSAtii COMes PHIRTis.
      Während die ländermäßigen Zuschreibungen Burgund und Elsass durchaus bekannt sind. tut man sich da mit dem Begriff "PHIRT" schon deutlich schwerer.

      PHYRT steht für die Herrschaft Pfirt im Oberelsass und heißt heute Ferrette. Der Ort liegt in der Nähe von Altkirch im Sundgau. Der heutige Ort «Ferrette» entstand etwa im 11. Jahrhundert und die Gegend wurde lange von den Habsburgern regiert, welche, wie häufig in ihrer Geschichte, durch Heirat in den Besitz dieses Landstriches gekommen waren. Die Heirat von Herzog Albrecht II von Habsburg (1298-1358) mit Erbgräfin Johanna von Pfirt, einer Tochter des letzten Grafen Ullrich von Pfirt, beendete die eigenständige Epoche für diese Gegend.

      Im dreißigjährigen Krieg ging mit der Grenzverschiebung Frankreichs zum Rhein hin auch diese Region vom römisch-deutschen, in französisches Hoheitsgebiet über. Durch König Ludwig XIV. kam der Besitz dann an den Kardinal Mazarin und später an das Haus Grimaldi. Deshalb nennen sich die Fürsten von Monaco noch heute «Grafen von Pfirt/ Comte de Ferrette». Ich gehe aber davon aus, dass diese Operettenpotentätchen diesen Hintergrund heute wahrscheinlich nicht mehr kennen.

      Der Taler hat einen Durchmesser von 40,25mm, ein Gewicht von 28g und eine Dicke 2,52mm. Er zeigt im Wappenschild der Rückseite zentral das Wappen von Ensisheim

      Gruß
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      Scio ut nescio sed tamen cogitare necesse est
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