Sachsen- Kurfürsten

      Stehengeblieben waren wir bei Moritz, den man - wegen seines Wechsels auf die Seite des Kaisers - den Judas von Sachsen nannte. Durch seine Bekämpfung des Schmalkaldischen Bundes - obwohl selber Protestant - war er mit der Kurwürde Sachsens belehnt worden, die der Kaiser dem Ernestiner Johann Friedrich I. nach der für die Protestanten verlorenen Schlacht von Mühlberg 1547 entzogen hatte. Der Kaiser beauftragte Moritz, an der protestantischen Stadt Magdeburg die 1547 verhängte Reichsacht zu vollstrecken. Ab Oktober 1550 belagerte er die Stadt eher halbherzig, im Frühjahr 1551 schloß er sich der norddeutschen Fürstenopposition zur Verteidigung des protestantischen Bekenntnisses gegen den Kaiser an. Diese Opposition verständigte sich mit dem Kaiser dann1555 im Augsburger Religionsfrieden. Neben religiösen Fragen waren auch Macht- und Landgier Ursache kriegerischer Auseinandersetzungen. Der protestantische Markgraf von Brandenburg, Albrecht Alkibiades brach seit einiger Zeit den Landfrieden durch Gebietsraub in Franken. König Ferdinand (kathol.) und Moritz beschlossen im Passsauer Vertrag die Interessen des Reiches zu verteidigen und gegen Albrecht militärisch vorzugehen. In der Schlacht von Sievershausen 1553 wurde Albrecht geschlagen, aber Kurfürst Moritz verlor sein Leben. Nach Angabe des Historikers J.Rogge war diese Schlacht mit etwa 3000 Toten die blutigste des 16. Jhd. auf deutschem Boden.
      Hier ein 1/4 Taler aus dem Jahr 1552, geprägt in Freiberg, 7,03 gr., Lit.: Kohl 6
      Bilder
      • Viertel-Taler Freiberg 1552, Kohl 6 (1).JPG

        85,63 kB, 442×456, 200 mal angesehen
      • Viertel-Taler Freiberg 1552, Kohl 6 (2).JPG

        84,29 kB, 442×443, 177 mal angesehen
      Der 1/4 Taler gefällt mir sehr gut, da stelle ich doch mal 2 Dreier dazu, wenn sie auch nicht so schön sind

      Moritz 1541-1553

      Dreier - Annaberg - 1547
      MM : Matthäus Rothe (1545-1554)
      VS : Wappenschilde von Meißen und Sachsen, darüber 1547, darunter Münzmeisterzeichen Eichel am Zweig
      RS : Helm
      LIT : S-J 4480
      GE : 0,96g

      Dreier - Schneeberg - 1552
      MM : Sebastian Funke (1529-1530 + 1534-1569)
      VS : Wappenschilde von Meißen und Sachsen, darüber 1552, darunter Münzmeisterzeichen T
      RS : Helm
      LIT : S-J 4489
      GE : 1,08g

      Das Münzmeisterzeichen T wurde von 1505-1551 in Buchholz und von 1535-1570 ebenfalls in Schneeberg verwendet.
      Bilder
      • image001_1104x1104.jpg

        125,74 kB, 1.104×1.104, 147 mal angesehen
      • image003_1104x1104.jpg

        127,13 kB, 1.104×1.104, 171 mal angesehen
      • image005_1008x1008.jpg

        138,37 kB, 1.008×1.008, 164 mal angesehen
      • image007_1008x1008.jpg

        154,52 kB, 1.008×1.008, 151 mal angesehen
      Nachfolger von Moritz wurde sein jüngerer Bruder August, der von 1553 bis 1586 regierte. In seine Zeit fiel der Augsburger Religionsfriede von 1555 der den lutherischen Protestantismus reichsrechtlich anerkannte (Zwinglianer und Calvinisten waren ausgeschlossen). August wurde der anerkannte Führer der Protestanten. Man hat diesen Religionsfrieden auf die Formel gebracht: cujus regio, ejus religio - wer regiert, dessen Religion. In seine Regierungszeit fiel ebenfalls die innerlutherischen Auseinandersetzungen zwischen den orthodoxen Lutheranern und den sogenannten Philippisten (Anhänger Philipp Melanchthons) die eine Annäherung an den Calvinismus suchten und deshalb von ihren Gegnern Kryptocalvinisten = Verborgene Calvinisten genannt wurden.
      Ich zeige einen Taler, Dresden 1565 HB, 28,77 gr, Schnee 713
      AV: AVGVSTVS°D:G°DVX°SAXONIE°SA°ROMA°IM
      RV: ARCHIMARS CHAL°ET°ELEC
      Bilder
      • Taler Dresden 1565, Schnee 713 (1).JPG

        85,94 kB, 446×446, 166 mal angesehen
      • Taler Dresden 1565, Schnee 713 (2).JPG

        83,7 kB, 443×442, 133 mal angesehen

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „ischbierra“ ()

      Sachsen-Kurfürsten

      Hallo Sammlerfreunde, den interessanten Beitrag von ischbierra zu Kurfürst August möchte ich mit einer seltenen Medaille ergänzen, es handelt sich um eine silberne Gussmedaille aus der Werkstatt von Tobias Wolf in Dresden, der für den Kurfürsten arbeitete. Auf der Vorderseite sind die protestantischen Kurfürsten August von Sachsen und Johann Georg von Brandenburg in freundschaftlicher Umarmung dargestellt, August überreicht ein versiegeltes Schreiben, die Umschrift lautet übersetzt "Erhalt uns Herr bei Deinem Wort", auf der Rückseite steht Kurfürst August in einer Flußlandschaft auf einen Felsen mit der Inschrift "Schloss Hartenfels". in der Hand hält er eine Waage, mit der er zwischen der "Göttlichen Allmacht" in Gestalt des Christuskindes und der "Menschlichen Vernunft" in Gestalt seiner calvinistischen Widersacher abwägt.
      Anlass für die Medaille war der vom Kurfürsten nach Torgau (Schloss Hartenfels) einberufene Konvent unter Teilnahme der Landstände und sächsischer Theologen. Ihnen wurden 30 Artikel, verfasst auf der Grundlage der Lehre Luthers, zur Zustimmung vorgelegt. Die Anhänger Melanchthons unterschrieben nicht und wurden fortan als Calvinisten gebrandmarkt und später aus Kursachsen verbannt.
      Torgau mit seinem prächtigen Renaissanceschloß Hartenfels, ehemalige Residenz der Ernestiner Sachsen, birgt auch heut noch viel zur Geschichte der Reformation.
      Bilder
      • 4a.jpg

        193,86 kB, 821×768, 105 mal angesehen
      • 4r.jpg

        189,36 kB, 1.024×768, 118 mal angesehen

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „numis68“ ()

      Hallo numis68, auch von mir vielen Dank für dieses wundervolle Medaillon und den interessanten Beitrag zum historischen Kontext dieses Prachtstückes. In froher Erwartung weiterer Highlights aus deiner Sammlung !
      mit freundlichem Gruß

      IVSTVS
      ____________________
      Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.
      Wenn hier Luther und der Augsburger Religionsfriede genannt wird, ist das ein guter Anlass, hier einen sächsischen Taler vorzustellen. Er wurde anläßlich des 100. Jahrestages des Augsburger Bekenntnises von 1530 im Jahr 1630 in Dresden auf Anordnung von Sachsens Kurfürst Johann Georg IV. geprägt.

      Die Rückseite zeigt den sächsischen Kurfürsten Johannes, unter dessen Regierung der Religionsfrieden im Jahr 1530 zustande kam. Das Augsburger Bekenntnis oder Confessio Augustana war das grundlegende Bekenntnis der protestantischen Reichsstände zu ihrem Glauben. Sie gehört auch heute noch zu den verbindlichen Bekenntnisschriften der lutherischen Kirchen.
      Avers Umschrift: CONFESS LUTHER AUG EXHIBITE SECULUM, im Feld 1630 25 Juny JOH GEOR
      Revers Umschrift: NOMEN DOMINI TURRIS FORTISSIMA, im Feld 1530 25 Juny JOAN NES
      DV. 7606, Schnee 860

      Nicht fehlen darf in diesem Zusammenhang natürlich ein Taler aus der Zeit 1500-1507 von Friedrich dem Weisen, ohne dessen Protektion Luther sicherlich nicht überlebt hätte. Das auch als "Klappmützentaler" bekannte, in Annaberg geprägte Stück zeigt Friedrich III. mit der Umschrift FRIDERICVS GEORGIVS JOHANNES, die beiden Letzteren findet man auf dem Revers mit der Umschrift MONET ARGENT DVCVM SAXONI
      DAV 9707, Schnee 10
      Gruß
      corrado26
      Bilder
      • Johann Georg I. 1630 Religionsfriede a.JPG

        115,29 kB, 640×647, 144 mal angesehen
      • Johann Georg I. 1630 Religionsfriede b.JPG

        120,29 kB, 640×674, 137 mal angesehen
      Scio ut nescio sed tamen cogitare necesse est

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „corrado26“ ()

      Halleluja, wo kommen bloß auf einmal die ganzen schönen "Altdeutschen" her ? Wie*s aussieht wohl ein neuer Forumsschwerpunkt. Weiter so ! :thumbsup:
      mit freundlichem Gruß

      IVSTVS
      ____________________
      Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.
      Das Dritte in diese Reihe gehörende Stück ist der unter Kurfürst Johann Georg I. ausgegebene Reichstaler auf das hundertjährige Reformationsjubiläum 1517/1617. Geprägt in Dresden zeigt er im Avers Kurfürst Johann Georg I. mit dem Kurschwert und der Umschrift "16 VERBVM DOMINI MANET IN AETERNVM 17", im Feld "JOH GEOR". Auf dem Revers Kurfürst Friedrich III. der Weise mit Umschrift "15 SECVLVM LVTHERANVM 17", im Feld Fried III.
      Dav. 7594, Schnee 826
      corrado26
      Bilder
      • Johann Georg I. 1617 Reformationsjubiläum a.JPG

        101,08 kB, 640×599, 143 mal angesehen
      • Johann Georg I. 1617 Reformationsjubiläum b.JPG

        106,25 kB, 640×613, 141 mal angesehen
      Scio ut nescio sed tamen cogitare necesse est

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „corrado26“ ()

      Nach langer Pause will ich dieser Faden hier mal wieder aufnehmen.
      Auf August folgte sein Sohn Christian I.(1586-1591) Er hatte einen dem Calvinismus zugetanen Lehrer. Als dieser im Zuge einer Re-Lutherisierung Sachsens 1574 entlassen wurde, war er 14 Jahre alt. Seinen neuen Lehrer, einen Lutheraner, lehnte er aus ganzen Herzen ab. Ab 1581 beteiligte ihn sein Vater an Regierungsaufgaben und stellte ihm einen Berater zur Seite, Dr. Nicolaus Krell. Dieser Krell stand ebendalls dem Calvinismus nahe. Als Christian Kurfürst wurde, blieb Krell sein Berater und wurde später Kanzler. Sachsen schlug nun wieder den Weg in Richtung Calvinismus ein, was aber weder der Bevölkerung noch dem Adel gefiel. In Frankreich tobten die Auseinandersetzungen zwischen den Hugenotten (Calvinisten) und der katholischen Liga.Nach langen Zögern schlossen sich Kursachsen, Kurbrandenburg, Anhalt, Hessen und einige andere Fürstentümer 1591 zu einer antihabsburgischen, protestanrischen Union zusammen, die auch den Hugenotten helfen wollte (Torgauer Bund). Neben Christian starben aber kurz hintereinander zwei weitere Fürsten dieses Bundes, der damit nicht zum tragen kam. Christian starb, 31 jährig an den Folgen übermäßigen Alkoholgenusses. Gleich nach seinem Tod wurde das Ruder kirchenpolitisch wieder herumgeworfen, die Calvinisten verloren ihre Ämter, Krell wurde verhaftet, 10 Jahre auf der Festung Königstein inhaftiert und im Oktober 1601 auf dem Neumarkt zu Dresden enthauptet. Das Richtschwert, das die Inschrift trug "Cave Calviniane" (Hüte dich, Calvinist) hängt heute in der Rüstkammer, und die Stelle der Hinrichtung bezeichnet ein Stein mit den Initialen Kr.
      In meiner Sammlung ist Christian I. mit einem Dreier und einem Taler vertreten.
      1. Taler, Dresden 1586 HB, 28,37 gr., Schnee 731
      2. Dreier, Dresden 1588, HB, 0,76 gr., Kohl 76
      Bilder
      • Taler Dresden 1586, Schnee 731 (1).JPG

        84,22 kB, 442×447, 164 mal angesehen
      • Taler Dresden 1586, Schnee 731 (2).JPG

        81,7 kB, 439×438, 130 mal angesehen
      • Dreier Dresden 1588, Kohl 76 (1).JPG

        81,97 kB, 443×446, 141 mal angesehen
      • Dreier Dresden 1588, Kohl 76 (2).JPG

        85,41 kB, 449×447, 114 mal angesehen
      • Krellstein (2).JPG

        112,5 kB, 576×432, 137 mal angesehen

      ischbierra schrieb:

      Das Richtschwert, das die Inschrift trug "Cave Calviniane" (Hüte dich, Calvinist) hängt heute in der Rüstkammer, und die Stelle der Hinrichtung bezeichnet ein Stein mit den Initialen Kr.
      Seehr interessante Details, die ich gerne vor meinem Besuch in Dresden gehabt hätte. Danke für Deinen Beitrag.
      Herzliche Grüße aus Waldeck
      Wolfgang M.
      www.Waldecker-Münzen.de
      www.Waldecker-Münzfreun.de
      Christian I. hinterläßt 3 minderjährigeSöhne und eine Tochter, Dorothea, die von 1610-1617 Äbtissin von Quedlinburg ist.
      Kurprinz ist Christian II., sein Bruder Johann Georg wird ihm dermaleinst auf dem Thron folgen und August wird Administrator von Naumburg. Die Regierungsgeschäfte führt bis zur Volljährigkeit Christians 1601 der ernestinische Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar. Christian II. dürfte der bedeutungsloseste Kurfürst Sachsens gewesen sein - er liebte Feste und Jagden. Als 1608 der Herzog von Kleve kinderlos stirbt, erhebt Sachsen zwar Ansprüche, während Wittelsbacher und Hohenzollern die beanspruchten Gebiete einfach besetzten. Christian wird zwar vom Kaiser mit Jülich und Kleve belehnt, aber es ist nur noch ein leerer Titel. Das Land haben andere. 1602 heiratet er Hedwig von Dänemark - die Ehe bleibt kinderlos. Nach ausgiebiger Völlerei trifft ihn, 27 jährig, am 23.6.1611 der Schlag.
      Auch hier kann ich wieder einen Taler und einen Dreier zeigen:
      1. Taler (sog.Dreibrüdertaler), 1593 HB, Dresden, 29,12 gr.,Schnee 754; AV: CHRISTIAN.IOHAN:GEORG.ET AVGVSTVS; RV: FRAT:ET. DVCES.SAXON:
      2. Dreier, 1597 (?), HB Dresden, 0,71 gr., Kohl 98;
      Bilder
      • Taler Dresden 1594, Schnee 754 (1).JPG

        85,88 kB, 454×442, 124 mal angesehen
      • Taler Dresden 1594, Schnee 754 (2).JPG

        81,64 kB, 445×438, 126 mal angesehen
      • Dreier Dresden 1597, Kohl 98 (1).JPG

        84,66 kB, 447×453, 103 mal angesehen
      • Dreier Dresden 1597, Kohl 98 (2).JPG

        78,01 kB, 454×452, 130 mal angesehen
    -