Methoden und Erfahrungen zur Münzreinigung

      Methoden und Erfahrungen zur Münzreinigung

      Die Reinigung von Münzen ist ein heikles Thema, dass viel Stoff für heiße Diskussionen
      und unterschiedliche Standpunkte bietet. Die einen verweigern es grundsätzlich, die anderen
      ziehen es in Sonderfällen in Erwägung, wieder andere halten es für legitim.

      Abgesehen von dieser Grundsatzdiskussion gibt es Fälle, in denen man um eine
      Reinigung nicht umher kommt, ein Stück von schlechter "Pseudo-Restaurierung" befreien muss,
      oder einfach nicht mit dem Zustand eines Exemplars zufrieden ist.

      Dies soll ausdrücklich KEIN Thread zur Diskussion "Reinigung – ja oder nein?" sein,
      sondern eine Plattform zum Austausch von Erfahrungen.

      Es gibt einige andere Threads, die dieses Thema ebenfalls behandeln, aber zum Teil
      veraltet, nicht mehr diskutiert oder schwer auffindbar sind.

      Daher dieser neue Thread um das Thema wieder ein wenig zum Leben zu erwecken
      und Informationen zu bündeln.

      Viel Spaß beim Austausch!
      Ich möchte diesen Thread mit einer antiken Münze beginnen.
      Es handelt sich um einen AR-Antoninian des Volusianus den ich für
      relativ kleines Geld, aber auch in einem entsprechend unansehlichen
      Zustand ersteigern konnte.

      In der Hoffnung, dass sich unter den Spuren schlechter Lagerung eine
      schöne Münze verbirgt, bin ich den Kauf eingegangen.

      Ich zeige nun die Münze im gekauften Zustand, dann die gereinigte
      Münze und danach beschreibe ich, wie ich vorgegangen bin.

      Vorher:




      Nachher:





      Zuerst habe die Münze einem ca. 1-stündigen Bad in einem Wasser-Zitronensäure-Bad (50:50)
      unterzogen um den oberflächlichen Schmutz zu entfernen und zu sehen, was sich darunter
      verbirgt. Bei Silber funktioniert das ganz gut, man muss nur auf die Silberqualität achten,
      denn bei schlechter Qualität kann ein zu intensives Bad Schäden auf der Oberfläche verursachen!!!

      Danach habe ich die Münze ausgiebig aber vorsichtig befreit (weiche Zahnbürste + Spüli) und getrocknet.

      Dann habe ich die Münze einem weiteren Bad unterzogen, und zwar in in Wasser gelöstem
      Backpulver (Natronlauge). Vorsicht: auch hier nicht mit der Menge übertreiben! Lieber etwas
      weniger und dann im Zweifelsfall das Bad wiederholen.

      Nach ca. 1 1/2 Tagen in diesem Bad habe ich die Münze erneut gereinigt, wieder mit der
      weichen Zahnbürste. Die meißten Flecken und Unreinheiten hatte ich damit schon besiegt.
      Nur noch kleine hartnäckige Stellen waren übrig. Diese habe ich mittels Zahnstocher ganz
      vorsichtig bearbeitet, um die Verschmutzung oberflächlich zu lösen.

      Danach ein weiteres eintägiges Bad in Backpulver, erneute Bürsten-Reinigung,
      ein abschließendes 10-minütiges Bad in Zitronensäure – das war's!

      Der Antoninian ist jetzt (für mich) ein tolles Stück. Klar, der Nachteil ist, dass wahrscheinlich
      auch viele Spuren verschwinden, die man unter anderen Umständen NICHT entfernt hätte.
      Aber das Risiko muss dann jeder selbst abwägen.

      Soweit mein erster Erfahrungsbericht :)


      Hier noch (zur Vervollständigung) die Beschreibung der gezeigten Münze:

      251-253 n.Chr. Volusianus

      AR Antoninian, Rom 253
      Durchmesser: 19-21 mm
      Gewicht: 3,83 g

      Vorderseite:
      IMP CAE C VIB VOLVSIANO AVG
      Drapierte und kürassierte Büste mit Strahlenkrone nach rechts

      Rückseite:
      P M TR P IIII COS II
      Imperator nach links stehend, Szepter und Patera
      über Altar haltend

      RIC 141
      Vor allem mit einem exzellenten Ergebnis. Hut ab, Andicz.

      Weil Du den Thread im allgemeinen Teil gestartet hast und die Thematik dadurch nicht auf die Antiken beschränkt ist, möchte ich darauf hinweisen, daß das Thema bei anderen, jüngeren Münzen gänzlich anders angegangen werden sollte - es sind ja auch ganz andere Voraussetzungen. Münzen (keine Bodenfunde) ab dem 14./15. JH mit ausgeprägter Patina werden meist höher gehandelt als Stücke ohne sie. Wenn man gar Putzspuren erkennen kann, ist ein so behandeltes Stück oft wertlos.

      Wenn man nicht 100% weiß, was man macht - gilt: Finger weg!
      Herzliche Grüße aus Waldeck
      Wolfgang M.
      www.Waldecker-Münzen.de
      www.Waldecker-Münzfreun.de
      Hallo Wolfgang! Vielen Dank, ich bin auch sehr zufrieden.
      Das Wichtigste ist aber (wie du schon sagtest): Immer abwägen was ich da tue, und ob ich es besser lasse!!!
      Im Zweifelsfall einfach mal fragen, statt wild drauf los zu schrubben :)

      Die Platzierung im allgemeinen Teil soll genau die Vielfältigkeit der Reinigung und die verschiedenen
      Bereiche abdecken. So dass man sich informieren kann, wann, wie und was man reinigt.

      Auch das Abraten in bestimmten Fällen gehört natürlich dazu.

      Vielleicht gibt es ja auch Beispiele, an denen man gut zeigen kann, was mancher als Schmutz empfinden
      könnte, aber auf KEINEN FALL entfernt werden darf!
      Das mit den Putzspuren trifft natürlich auch auf die Römer zu. :)

      Natürlich könnte ich es auch recherchieren, aber ich finde eine Diskussion hier besser:
      Ich meine mich zu erinnern, dass elektrolytische Reinigung die Patina komplett entfernt, also nur in extrem Fällen angewand werden sollte. Stimmt das?
      Ich habe einige Spätrömer in meiner Sammlung, die eine so dicke Patina besitzen, dass man darunter kaum noch die Einzelheiten erkennen kann. Auch wenn es ein Frevel ist, ein gewachsene Patina zu entfernen, so möchte ich sie doch eventuell mit Hilfe von Elektrolyse entfernen. Eine neue, schwarz- oder rotbraune bekommt sie von selbst wieder oder aber läßt sich recht einfach und schnell bewerkstelligen. Kann mir jemand von euch sagen, wo ich entsprechende Apparate kostengünstig bekommen kann (ohne Spezialsalz etc.) ?
      Auch wenn ich fast glaube, dass ein kleines wenig ganz schön übertrieben ist für ein bisschen Krempel das zu bezahlen, aber sowas sollte man sich durchaus selbst zusammenbasteln können.

      ebay.de/itm/261177505911?nma=t…4340.l2557&orig_cvip=true

      :)

      EDIT: Ich kann mich auch irren, aber ich glaube in der Beschreibung müsste glaube ich die Münze an den anderen Pol... :S
      Täglich grüßt das Erdnussbier...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Erdnussbier“ ()

      Demnach, justus, stimmt meine Annahme?
      @erdnuss Ja scheint theoretisch zu gehen.
      Einfach den Stecker in die Steckdose, dann das Behältnis mit warmen Wasser und etwas Salz befüllen, dann die Münze an den Pluspol (rot) und den Löffel an den Minuspol (schwarz) klemmen und beides ins Wasser tauchen.
      Die Münze wirft leichte Blasen im Wasser.
      Ist das dann aber wirklich so einfach, oder muss man noch irgendetwas beachten?
      Und weiß jemand, bei wieviel Volt man das machen muss?

      Besser spät als nie!

      So, hier ist (nachdem ich mal Zeit gefunden habe) auch ein Scan von der Münze die ich gereinigt habe.

      Die Zitronensäure/Wasser Methode funktioniert ausgezeichnet. Allerdings habe ich kein Vorher Bild, es war halt nicht soo spektakulär, da mich die Münze ganze 60¢ gekostet hat :tongue:

      Jedoch war sie vorher am Rand und auch an allen erhabenen Stellen grünlich, nun isse wieder sauber :thumbsup:



      Grüße Erdnussbier

      PS: Mein Scanner hatte Probleme eine spiegelnde Münze einzuscanne, daher die farbigen Striche und die seltsame Erscheinung.
      Täglich grüßt das Erdnussbier...
      Ein weiteres Exemplar, welches ich einer Reinigung unterzogen habe,
      ist ein Antoninian des Aurelianus. Ersteigert für 3 Euro kam er zu mir.

      Schnell wurde klar: Das Stück ist in irgendeiner Form bearbeitet/lackiert.
      So sollte er nicht bleiben! Punkt! Nach einigen Ratschlägen hier im Forum,
      habe ich mich entschlossen, das Stück mittels Aceton (Nagellackentferner)
      von der unerwünschten Schicht zu befreien.

      Nagellackentferner hatte ich da (Danke, Julia :) ), aber acetonfrei.
      Trotzdem ausprobiert, was sollte bei 3 Euro Einsatz schon schief gehen.

      Nach einem mehrstündigen Bad erzielte ich folgendes Ergebnis!

      Vorher:




      Nachher:




      Wie man sehen kann, ist das Stück nun sehr grob und offenporig.
      Da sieht man mal, was man mit ein bißchen Lack alles faken kann.
      Trotz der optischen Verschlechterung habe ich ein gutes Gewissen
      bei dem Stück, denn ich habe ihn sozusagen „befreit“!

      Fazit: Aceton, oder halt Nagellackentferner (auch acetonfrei) tut
      gute Dienste bei der Entfernung von lackierten Stücken. Aber Wunder
      darf man nicht erwarten!

      Free manipulated ancient coins :thumbsup:

      Infos zur Münze:

      270-275 n.Chr. Aurelian

      AE Antoninian, Siscia
      Durchmesser: 20-22 mm
      Gewicht: 3,21 g

      Vorderseite:
      IMP AVRELIANVS AVG
      Kürassierte Büste mit Strahlenkrone nach rechts

      Rückseite:
      IOVI CONSER
      Kaiser mit Szepter erhält Globus von Jupiter

      Im Abschnitt: * P

      RIC 225

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Andicz“ ()

      Erdnussbier schrieb:

      Allerdings habe ich kein Vorher Bild, es war halt nicht soo spektakulär ...
      Schade. Also in Zukunft immer daran denken. Vorher- und Nachher-Photos erstellen. Die Methode muss ich auch mal probieren.
      mit freundlichem Gruß

      IVSTVS
      ____________________
      Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.
      Danke für den Link. Sehr interessante Ausführungen. Allerdings scheint Prof. Blume die in anderen Foren so gepriesene "Salzsäuremethode" ja kategorisch abzulehnen.
      mit freundlichem Gruß

      IVSTVS
      ____________________
      Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.
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