Kölner Münzen im Mittelalter

      Ah, ok. Wirklich schade, wäre doch eine schöne Herleitung gewesen :)

      Wieso gerade Petrus und das gotische Gestühl?

      Köln und Trier sind ja St. Peter geweiht, Mainz aber nicht (St. Martin und St. Stephan).
      Mainz orientierte sich allerdings wohl stark an der alten Peterskirche in Rom,
      und unterstrich so seine Rolle als „zweites Rom“ westlich der Alpen.

      Ist das der Grund für die Motivwahl des Petrus?

      Das gotische Gestühl wird zu dieser Zeit wohl einfach eine Modefrage gewesen sein.
      Hm, nach folgendem Zitat „1252 gab Florenz mit dem Fiorino d’oro den Anstoß zur Ausprägung von Goldmünzen im westlichen Europa (wikipedia)“ scheint der Florentiner Goldgulden ja so etwas wie eine „Benchmark“ für Münzen dieser Art gewesen zu sein: „Der Florentiner Gulden hatte ein Gewicht von 3,537 g und sollte in reinem, also 24-karätigem Gold ausgebracht werden.“

      Ist doch also möglich, dass man sich mit der Motivwahl „Johannes der Täufer“ darauf bezog, um so eine Glaubwürdigkeit des Feingehalts zu unterstreichen und das Stück auch visuelle in eine Reihe mit dem Florentiner zu stellen. Würde ja nichts dagegen sprechen, trotzdem eine Petrusvariante ins Spiel zu bringen. Oder? Schließlich ist der Pfennig ein weiter verbreitetes Nominal, und das Motiv des Petrus ein starkes und vertrautes Symbol für alle Christen.

      Hat der Petrus eigentlich seine Schlüssel in der Hand? Ich glaube schon. Somit wäre der heilige gleich und unverkennbar für jeden identifizierbar.
      Petrus ist mit Kreuzstab und Schlüssel abgebildet.

      Natürlich hat man das beliebte und geschätzte Motiv übernommen um das eigenen Geld leichter im Umlauf zu bringen. Die ersten Goldgulden von den Vertragspartnern, wie auch von vielen anderen Staaten unterschieden sich von den Florentinern nur durch Umschrift und Beizeichen.

      Von Köln sind mir zwei Stücke bekannt, eins in St. Petersburg und eins wurde 1983 im Münzzentrum Köln versteigert. Der Schätzpreis war glaube ich 10.000 DM.

      Aber das Vorbild, sofern es eins gibt, von Petrus im Gotischen Gestühl ist mir nicht bekannt.
      Vielleicht gibt es kein Vorbild und das Motiv war ein Novum?

      Die Verbindung der drei Städte durch das Heiligenmotiv des Petrus scheint mir schlüssig.
      Würde doch dem enormen christlichen Status der drei Rheinmetropolen entsprechen und
      gleichzeitig ein prägnantes Motiv darstellen.

      Ich weiß es natürlich nicht, aber ein Störgefühl hätte ich dabei nicht.
      Hier noch ein Pfennig aus der Sedisvakanz, der im Barbarossa-Schatz nicht vorkam.

      Sedisvakanz 1167



      Pfennig - Köln - ( 1167-1168 )
      VS : - Hüftbild eines Erzbischofs v. v. mit Krummstab und Buch hinter Mauer
      RS : - Dreitürmiges Gebäude
      LIT : Hävernick 503
      GE : 1,38 g

      Da die Münzstempel meist viel größer waren als der "dicke" Schrötling, sind die Umschriften nur selten zu lesen.

      Hävernick ordnet dieses Stück zu Philipp von Heinsberg, Lückgner zur Sedisvakanz 1167, was mir schlüssiger erscheint, da dieser Typ auch nicht im Barbarossa-Schatz enthalten war.

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      So, da ich die mittelalterlichen Kölner Prägungen ja höchst interessant finde, habe ich nun einfach mal fünfe gerade sein lassen und mir zwei Exemplare in die Sammlung gelegt. :)

      Erzbistum Köln
      Pfennig o. J.
      1225-1237 Heinrich I. von Molenark

      Durchmesser: 17-18 mm
      Gewicht: 1,40 g

      Vorderseite:
      +HENRICS - ARCIPSC
      Sitzender Erzbischof mit Krummstab und Buch

      Rückseite:
      +SANCTA COLONIA
      Brustbild eines Heiligen mit zwei Kreuzfahnen
      vor Kirchengebäude mit zwei spitzen Giebeln

      Hävernick 647





      Erzbistum Köln
      Pfennig o. J.
      1238-1261 Konrad von Hochstaden

      Durchmesser: 16 mm
      Gewicht: 1,32 g

      Vorderseite:
      +CONRADVS ARCHIEPC
      Sitzender Erzbischof mit Krummstab und Buch

      Rückseite:
      +SANCTA COLONIA
      Brustbild St. Patroclus mit zwei Kreuzfahnen über einem breiten Gebäude

      Hävernick 675



      Wenn jemand noch Korrekturen bezüglich der Legenden und Beschreibungen anzuführen hat, wäre ich sehr dankbar :)
      Bilder
      • 1225-1237 Heinrich I. von Molenark 01 Hävernick 647 Av.jpg

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      • 1225-1237 Heinrich I. von Molenark 01 Hävernick 647 Rv.jpg

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      • 1238-1261 Konrad von Hochstaden 01 Hävernick 675 Av.jpg

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      • 1238-1261 Konrad von Hochstaden 01 Hävernick 675 Rv.jpg

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      Besonders der äußerst fleißige Konrad v. Hochstaden... hat eigentlich irgendein anderer Erzbischof ähnlich viel prägen lassen?

      ... und für Andreas hätte ich noch ein sehr schönes Stück für seine aufkeimende Mittelalter-Sammlung. Natürlich wieder von Konrad dem Fleißigen, diesmal aber Waldeck - was sonst? Näheres dazu findest Du unter WM 03-10-14-1.
      Herzliche Grüße aus Waldeck
      Wolfgang M.
      www.Waldecker-Münzen.de
      www.Waldecker-Münzfreun.de
      Ja, der Herr von und zu Hochstaden hat mich auch besonders interessiert, weil man ihn so eng mit dem Bau des Kölner Doms in Vebindung bringen kann. Und der fasziniert mich ja spätestens alle zwei Wochen wieder aufs Neue, wenn ich mit dem Zug über die Hohenzollernbrücke anreise :love:

      Danke auch für deinen Tipp bezüglich der Auktion... Ich befürchte, die sprengt mein Budget ein wenig... :( Leider...
      Ein neues Stück in meiner noch bescheidenen erzbischöflichen Reihe möchte ich euch hier vorstellen. Zugegebenermaßen bin ich hier noch stark auf Hans-Jürgens Hilfe angewiesen, der ja ausgewiesener Kenner der Prägungen dieser Stadt ist. Aufgrund von gestern Abend/heute früh morgen geführter Unterhaltung, steht nun diese Bestimmung.

      Erzbistum Köln
      Pfennig o. J., ab 29. September 1168 (Weihe zum Erzbischof = Mitra)
      1167-1191 Philipp von Heinsberg

      Durchmesser: 17 mm
      Gewicht: 1,39 g

      Vorderseite:
      PHILIPVS ARCHЄP9
      Thronender Erzbischof mit Mitra, Krummstab und Buch

      Rückseite:
      ЄIA COΓONIA PAIC IIAI
      Münzgebäude in Stadtmauer mit Ketten an Türme gebunden

      Anmerkung: gelocht

      Hävernick 541



      Hier noch Hans-Jürgens Zitate:

      „Den Typ gibt es auch kurz vor Ende der Prägung ohne Ketten, ist äußerst selten. Dies war dann eine Annäherung des Erzbischofs an die kölner Bürger. Mit der Kette symbolisierte der EB das Stadt und Münze fest in seiner Hand waren. Was ja eigentlich nicht so ganz der Fall war wie die Änderung der Umschrift bezeugen. Die Abnahme der Ketten lag wohl daran das der EB wegen Geldknappheit einen Pfandkredit der Kölner benötigte.“

      „Das Datum ist der Beginn der Prägung, die mit dieser VS-Umschrift wohl nur sehr kurz gegen den Widerstand der kölner Bürger geprägt wurde, und deswegen auch sehr selten ist. Der Beginn ergibt sich mit der Inthronisierung als Erzbischof (Krummstab nach innen und Mitra).“

      „Das Münzgebäude wird durch das Eichgewicht (keine Glocke) im Turm gekennzeichnet.“


      Vielen Dank noch mal :thumbsup:
      Bilder
      • 1167-1191 Philipp von Heinsberg 01 Hävernick 541 Av.jpg

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      • 1167-1191 Philipp von Heinsberg 01 Hävernick 541 Rv.jpg

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      Hallo Andreas

      Ein sehr seltener Pfennig, mit dieser Umschrift, ich stelle zum Vergleich noch mal den häufigen dazu. Dein Stück muss kurz nach seiner Konsekration ( 29.09.1168 ) entstanden sein, und wurde wohl auch nur sehr kurz geprägt. Nach dem Widerstand der Kölner, wurde wieder die neutrale „ Sedisvakanz „ Umschrift gewählt, da er ja nicht vom Papst bestätigt wurde und mit dem Bann belegt war ( siehe Anhang ). Die Bedeutung
      dieser Umschrift ist noch nicht geklärt.


      Philipp von Heinsberg war durch die Unterstützung des Kaisers, aber gegen den Willen des Papstes auf dem Kölner Stuhl gelangt.

      Da der Erzbischof durch die dauernde Teilname der Kriegszüge des Kaisers in ständiger Geldnot war, verpfändete er die Kölner Münze 1174 an die Stadt Köln. Ab da wurden dann für kurze Zeit die Stücke ohne Ketten geprägt ( fehlt mir leider auch noch ), bis dann der Typ mit Krummstab und Fahne entstand.

      Philipp von Heinsberg



      Pfennig - Köln - 1168-1174
      VS : HITARC = ЄPICOPVS - Erzbischot thront v. v. auf Faltstuhl mit Mitra Krummstab und Buch.
      RS : ЭA COΓONIA PAICMAI - Münzgebäude in Stadtmauer mit Ketten an 2 Türmen gebunden, In dem Turm glockenförmiges Urmarkgewicht.
      LIT : Hävernick 541

      Leider unterscheidet Hävernick die doch so bedeutende Umschriften nicht da er von einer Verwilderung der Umschrift ausging.

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      Heute hat der Postbote mir mal was anderes gebracht als Rechnungen und Werbung

      Kaiser Heinrich 1014-1024



      Pfennig - Köln
      VS : + Zwei verschränkte Kreise EI zwei verschränkte Halbkreise NIIIHIR - Kreuz mit je einer Kugel in den Winkeln
      RS : SCS / COLO / NIA
      LIT : Hävernick 193
      D : 19 mm
      GE : 1,59 g

      Neben diesem Stück ist mir nur noch ein stempelgleiches Stück in der Sammlung Berlin bekannt, das aber deutlich schlechter ausgeprägt ist.

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      Tube schrieb:

      Neben diesem Stück ist mir nur noch ein stempelgleiches Stück in der Sammlung Berlin bekannt, das aber deutlich schlechter ausgeprägt ist

      Vermutlich meinest Du doch den IKMK? Dort kann ich Dein Stück aber nicht finden. Hast Du einen link oder eine Inventarnummer?
      Btw.: ein tolles Stück hast Du da. besonders das Colonia in noch nicht üblicher Anordnung.
      Herzliche Grüße aus Waldeck
      Wolfgang M.
      www.Waldecker-Münzen.de
      www.Waldecker-Münzfreun.de

      Tube schrieb:

      Nee leider nicht, aber das Berliner Stück ist im Hävernick abgebildet

      Ja, leider ist der IKMK sehr unvollständig (bis auf Waldeck :thumbsup: ) - es werden ja nur gesponsorte Bilder aufgenommen. Eine fragwürdige Vorgehensweise bei der Anlage einer onlineversion eines der größten musealen Bestände weltweit.
      Herzliche Grüße aus Waldeck
      Wolfgang M.
      www.Waldecker-Münzen.de
      www.Waldecker-Münzfreun.de
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