China

      Ein Sammelgebiet, was wohl nicht so stark frequentiert ist, sind die Chinesen. Da meine ich nicht die Pandas, sondern die alten Chinesischen Münzen. Ein bißchen langweilig vielleicht, weil sie meistens rund sind mit viereckigem Loch in der Mitte und zwei oder 4 Schriftzeichen auf der Vorderseite. So wurden sie jahrhundertelang gegossen. Am Anfang stand aber sogenanntes Gerätegeld. Es sind Kümmerformen von ehemals tatsächlichen Geräten die Tauschwert hatten. Die bekanntesten sind die Spaten- und die Messermünzen. Da ich gerade welche erworben habe, zeige ich Euch mal je ein Beispiel.

      Nr 1 ist eine Messermünze des Staates Yan, ein sog. Pointed tie Messer aus der Zeit 600-400 v.Chr.,153 mm, 14,68 gr, das Zeichen bedeutet Yu.Lit: Hartill 4,29

      Nr.2 ist eine Spatenmünze des Staates Liang, 400-300 v. Chr., 62 mm, 26,64 gr. Lit: Hartill 3,48

      Gruß ischbierra
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      • 600-400 v. Staat Yan,Pointed tie Messer,Yu,H 4,29 (1).JPG

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      • 400-300 v. Staat Liang. Spatenmünze 2 jin, H 3,48 (1).JPG

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      Es wird Zeit für einen weiteren ungewöhnlichen Chinesen. Das Stück wird dem Staat Chu zugeschrieben aus der Zeit der Streitenden Reiche 400-220 v. Es wird als Ameisen-Nasen-Geld oder als Geister-Gesicht-Geld bezeichnet. Entwickelt hat es sich wohl aus dem Vorbild der Kaurimuschel. Es ist klein, einseitig und wiegt 1,68 gr. Lit.: Hartill 1,6
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      • 400-220 Geistergesicht, H 1,6 (1).JPG

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      Kaurimuscheln wurden an Schnüren aufgefädelt und in großen Mengen gebraucht, das heißt, es gab und gibt sie vermutlich millionenfach. Meine habe ich auf Kreta gefunden, oben im Gebirge. Ob sie urprünglich aus China stammt, weiß ich nicht, aber genau solche, auch aufgeschnittene, wurden in China seinerzeit benutzt. Sie wiegt 2,49 gr. und ist 19,5 mm lang. Lit.: Hartill 1,1
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      • 1766-1154 Shang-Dyn.Kauri, 2,49, H1 (1).JPG

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      Um mal mit den Chinesen fortzufahren: die haben schon vor mehr als zweitausend Jahren "gefälscht". Ich habe jetzt gerade eine Kauri-Imitation aus Ton bekommen, die aus der Chou-Zeit 1122-255 v. stammen soll.
      Als weiteren Exot zeige ich - ebenfalls aus der Chou-Zeit (um 400 v.) - sogenanntes Brückengeld, 110 mm, 12,87 gr.
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      • 1122-255 v. Ton-Kauri (1).JPG

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      • Chou-Dyn. um 400 v. Brückengeld (1).JPG

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      • Chou-Dyn. um 400 v. Brückengeld (2).JPG

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      Hallo Andicz,
      was heißt "normal"? Wenn Du damit Münzen meinst die rund und geprägt sind mit Vorder- und Rückseite, dann haben die Chinesen erst seit Ende des 19. Jhd. normale Münzen. Ansonsten hatten sie immer einen eigenen Charakter. Bei ihnen erkennt man bei den frühen Formen eben noch die Herkunft als Tauscheinheit: Kauri,Spaten, Messer. Auch andere Währungen haben noch das Moment des Tauschäquivalentes in ihren Namen: Obol - Spieß; Drachme - handvoll (Spieße), nur kennen wir da keine Kümmerformen des offenbar ursprünglichen Tauschmittels; die Chinesen hatten diese Kümmerformen. Aber handlich waren diese Messerchen und Spaten nicht, weshalb man dann auf die runde Form kam, möglicherweise dadurch, daß man von den Messermünzen nur das obere, runde Griffteil behielt und den Rest wegließ. Der Übergang zur runden Münze war so um 350 v. Die ersten hatten noch ein rundes Mittelloch, doch bald wurde es quadratisch. Auf der Münze stand der Wert, gelesen von rechts nach links. Manche Münztypen wurden jahrhunderte lang gegossen, so daß eine zeitliche Zuordnung oft schwer und nur anhand winziger Details möglich ist. Seit der Tang Dynastie taucht auch der Nien-Hao auf den Münzen auf, die Zeichen oben und unten auf der Münze. Der Nien-Hao ist ein Epochen-Name innerhalb der Regierungszeit eines Kaisers. Bis zur Ming-Dynastie hatte jeder Kaiser einen oder mehrere Epochen-Namen, dann war es nur noch einer. Durch sie lassen sich die Münzen einigermaßen datieren. Die Zeichen rechts und links bedeuten dann tong bao - gültiges Geld oder zhong bao - schweres Geld; im letzteren Fall ist auf der Rückseite dann eine Wertangabe von oben nach unten.
      Ich stelle Euch mal drei von den frühen Münztypen vor:
      1. Staat Yan (300-220 v.) Yi Hua - ein Hua; Rückseite eben, 1,72 gr; 19mm,Lit.: Hartill 6,17
      2. Qin/Han Typ (220-180 v.) Ban Liang, Rückseite eben, 4,4 gr; 33mm, Lit.: Hartill 7,8
      3. Westl.Han (206 v.-25 n.), Wu Zhu,113 v., Rückseite eben, 3,38gr; 25 mm, Lit.: Hartill 8,8
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      • 300-220v.Yan, Yi-hua, H.6,17.JPG

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      • 187-180 Kao Hu. Pan Liang, H 7,8 (1).JPG

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      • 113v Shang Lin San Guan Wu Zhu, H 8,8.JPG

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „ischbierra“ ()

      Hallo Ischbierra.

      Danke für die informativen Ausführungen.
      Ja, ich meinte den ersten Übergang zu runden Münzen, nicht die neuzeitlichen Prägungen.
      Also hat deine Antwort den Kern meiner Frage optimal erfasst! :thumbsup:

      Ist ein wirklich interessantes Thema, vor allem, weil mir selbst eine solche Bandbreite an Formen
      vorher nicht bekannt war. Gibt es denn da überhaupt etwas vergleichbares? Also außerhalb der
      chinesischen Münzkultur? Das einzige was mir einfallen würde, wären vielleicht die ersten Kelten,
      also so etwas wie Ringgeld oder ähnliches...
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