Die Dynastie der Severer

    Die Dynastie der Severer

    Zeit, auch der Dynastie der Severer einen Thread zu widmen.
    Eine Dynastie mit unheimlich schönen Prägungen deren Betrachtung immer
    wieder große Freude bereitet.


    Die Severer

    Der Sieger des Bürgerkrieges von 193 hiess Septimius Severus. Doch nach den kurzen
    Regentschaften von Pertinax und Didius Iulianus war das Reich noch nicht endgültig gesichert.
    Die Fehden um den Thron sollten sich bis 197 hinziehen.

    Die nordafrikanische Dynastie der Severer brachte dem Römischen Reich nochmals einen
    machtpolitischen Aufschwung. Doch gleichzeitig begann ein vermehrter Abbau der zentralen
    Stellung Roms und des italischen Kernlandes zugunsten der Provinzen.

    Septimius Severus hatte mit Caracalla und Geta zwei Söhne, die in seine Fussstapfen treten konnten.
    Nachdem Caracalla seinen Bruder hatte ermorden lassen, konnte er die uneingeschränkte Herrschaft
    über das Imperium ausüben.

    Caracalla wurde während seines Feldzuges gegen die Parther im Zuge einer Verschwörung ermordet.
    Da er über keine Nachkommen verfügte, riefen die Soldaten den Prätorianerpräfekten Macrinus
    zum Kaiser aus. Dessen Regierung erwies sich allerdings als äusserst kurzlebig. Caracallas Tante
    Iulia Maesa sicherte den Thron erneut für die Severer, indem sie das Gerücht verbreiten liess,
    ihr Enkel sei ein uneheliches Kind des Ermordeten.

    Die Legionäre liessen sich täuschen und riefen einen vierzehnjährigen Knaben zum Kaiser aus,
    den man schon bald nach dem syrischen Sonnengott Elagabal nannte. Sein Desinteresse an den
    Staatsgeschäften und die durch Ausschweifungen verursachte Unbeliebtheit liess ihn seinen,
    bei den Römern beliebten, vierzehnjährigen Vetter Severus Alexander adoptieren.

    Dessen Beliebtheit ängstigte Elagabal und er versuchte seinen designierten Nachfolger los zu werden,
    doch kehrte ihm die Prätorianergarde den Rücken und ermordete ihn. Severus Alexander bestieg den
    Thron, doch lag die wahre Macht weiterhin bei Iulia Maesa und später bei deren Tochter Mamaea.

    Die latente Unruhe im Reich konnte indes kaum unterdrückt werden. Sie gipfelte in der Ermordung
    des Severus Alexander und der damit verbundenen Ausrufung des Soldaten Maximinus Thrax zum Kaiser.

    Die Dynastie der Severer hatte nach 43 Jahren ein Ende gefunden.
    In weiterer Folge sollten kurzlebige Soldatenkaiser das Reich in einer Zeit grosser Wirren beherrschen.

    (Quelle: imperiumromanum.com)

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    Ich beginne mit einem Stück des Septimius Severus, der Gründer der Dynastie.
    Ich habe ihn zwar bereits gepostet, aber er ist ein schöner Einstieg in den Thread.



    193-211 n.Chr. Septimius Severus

    AR Denar, Rom 201
    Durchmesser: 18-19 mm
    Gewicht: 3,35 g

    Vorderseite:
    SEVERVS PIVS AVG
    Kopf mit Lorbeerkranz nach rechts

    Rückseite:
    PART MAX PM TR P VIIII
    Tropaeum zwischen zwei Gefangenen, Kopf auf Hände stützend

    parthicus maximus pontifex maximus tribunicia potestate VIIII

    Größter Sieger über die Parther, Oberster Priester,
    mit (Volks)Tribunengewalt zum neunten Mal

    RIC 176
    Wirklich schönes Stück (schadet ja nicht, wenn amn mehrmals sagt).
    KLeine Ergänzung zu deiner Biographie über die Severer, die ich für wichtig und interessant halte:
    Elagaball entstammte einer Familie aus Priestern des Sol Elagaballus aus Emesa (heute Homs in Syrien glaube ich). Er selbst war soweit ich weiß auch einer. Darum ließ er den sog. Stein von Emesa, eine Art Reliquie des Sol Elagaball (vermutl. ein Meteorit) nach Rom transportieren. Dieses Ereignis wurde auch auf seinen Münzen verewigt. Vielleicht hat ja jemand ein solches Stück.
    Ein weiteres Stück (welches ich kürzlich für einen Mini-Preis ersteigert habe),
    ist eine AR Denar seiner Frau Julia Domna, der zweiten Frau des Septimius Severus
    und die Mutter der Kaiser Caracalla (211–217) und Geta (Mitherrscher 211).



    193-211 n.Chr. Julia Domna

    AR Denar, Rom 203
    Durchmesser: 17-18 mm
    Gewicht: 2,81 g

    Vorderseite:
    IVLIA AVGVSTA
    Drapierte Büste nach rechts

    Rückseite:
    PIETAS PVBLICA
    Pietas links stehend, beide Hände erhebend,
    Altar zu ihren Füßen

    RIC 574




    Pietas

    Unter Pietas verstand man in der Antike das pflichtgerechte Verhalten gegenüber den Göttern
    und den Menschen. Bereits in republikanischer Zeit wurde der religiöse Begriff durch religio
    (Frömmigkeit, Verehrung, Religion) ergänzt bzw. ersetzt, sodass er vor allem im menschlichen
    Zusammenleben zunehmend an Bedeutung gewann. Dabei sind hervorzuheben die Pflichterfüllung
    gegenüber Eltern, Geschwistern und Verwandte, sowie Verstorbene, aber auch für das Vaterland.

    Eng verknüpft mit der Pietas ist das Wort pius (fromm, gütig, gerecht, liebevoll), das seit dieser
    Zeit vermehrt als cognomen (Sippenname) auftritt. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der Kaiser
    Antoninus Pius. Ergänzend häufig finden sich deshalb auch Münzen mit einer Darstellung der Pietas
    oder des ihr zugeordneten Storches, der seine Eltern im Alter ernährt. Mit Augustus nahmen sich
    auch die römischen Kaiser des Begriffs als Pietas Augusta im Sinne einer kaiserlichen Grundtugend an,
    wo hierbei wieder beide Aspekte, das Menschliche und die Religion bedeutend waren.

    (Quelle: imperiumromanum.com, W.Vollmer, Wörterbuch der Mythologie"Der kleine Pauly")

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    Da ich gerade im Severer-Fieber bin und von den Münzen ziemlich hingerissen bin,
    hier noch den ersten der Söhne: Caracalla, der seinen Namen einem Kleidungstück
    verdankt. Sein richtiger Name war Marcus Aurelius Severus Antoninus – „Caracalla“
    war nur ein Spitzname, der von der Bezeichnung seines Kapuzenmantels (caracallus)
    abgeleitet wurde.

    Die Portaits des älteren Caracalla mit Vollbart und zornerfülltem Blick gehören
    meiner Meinung nach zu den interessantesten Portraits der Kaiserzeit.



    211-217 n.Chr. Caracalla

    AR Denar, Rom 212
    Durchmesser: 16,5-19 mm
    Gewicht: 2,61 g

    Vorderseite:
    ANTONINVS PIVS AVG BRIT
    Kopf mit Lorbeerkranz nach rechts

    Rückseite:
    P M TR P XV COS III P P
    Serapis nach links stehend, die Rechte erhebend
    in der Linken Zepter haltend

    RIC 193



    Serapis

    Serapis (auch Sarapis) war ein ägyptisch-hellenistischer Gott, der mit den Gottheiten
    Osiris und Apis verbunden und so zur memphitischen Form des Osiris wurde.

    Der Name entstand aus der Bezeichnung des Osiris (Sir/Sar) und des Apis (Hepi).
    In der ägyptischen Mythologie verkörperte der Apis-Stier als Symbol die Fruchtbarkeit.
    Nach den Überlieferungen lebte die Seele des Osiris im Apis-Stier weiter, nachdem
    Seth seinen Körper in mehrere Stücke zerteilt hatte.
    Also, ich möchte mir ja ungern unnötig Bieter-Konkurenz erziehen :) , aber ich muss
    sagen, dass man bei Privat-Anbietern (ebay) tatsächlich tolle Stücke bekommen kann,
    und dass zu angenehmeren Preisen, als es bei den „Großen“ der Fall ist.
    Da geht es im Moment preislich ja so verrückt zu, das man bei vielen Auktionen
    nur noch kopfschüttelnd aussteigen kann.

    Anbei also ein Septimius Severus der heute angekommen ist.
    Ich finde ihn großartig, und er sieht schöner aus als vermutet.

    Also, habt Mut, seid trotzdem vorsichtig, holt euch Rat, spart Geld, freut
    euch über tolle Stücke.



    193-211 n.Chr. Septimius Severus

    AR Denar, Rom
    Durchmesser: 17-18 mm
    Gewicht: 3,31 g

    Vorderseite:
    SEVERVS AVG PART MAX
    Kopf mit Lorbeerkranz nach rechts

    Rückseite:
    FVND-ATOR PACIS
    Kaiser in Toga gekleidet und verschleiert nach links stehend,
    Olivenzweig und Schriftrolle haltend

    RIC 160


    Interessant ist hier, dass ich die Trennung FVND-ATOR in der Form bei keinem
    Vergleichsstück gesehen habe. Dort waren eher die Trennungen FVNDA-TOR,
    FVNDA-TO-R oder FVNDAT-OR zu finden.

    Auch wieder ein Stück, dass den großen Sieger über die Parther ehrt.
    Den Begründer des Friedens. Ist das nicht schön? :)

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    Hier mal ein Beispiel für den jungen Caracalla ----->




    Caracalla
    AR Denar, Rom 208 n. Chr.
    Av. ANTONINUS PIUS AUG / Kopf mit Lorbeerkranz n. r.
    Rv. PONTIF TR P XI COS III / Kaiser in Rüstung mit Helm n. r. stehend, hält Lanze und Schild.
    Gewicht: 3,24 g. Durchmesser: 19 mm.
    Ref. RIC 100, C. 447, BMC 569
    Erhaltung: Fast vorzüglich. Randrisse.
    Ex. Münzhandlung Schulten, Liste August 1990, Nr. 40.
    Justus, eine Frage zu den Portraits.
    Die Kaiser sind ja ohne Drapierung, also sozusagen "schulterfrei" dargestellt.
    Sind das jetzt Büsten (da man ja die Schulter von hinten erkennt) oder Köpfe?
    In Beschreibungen ist das manchmal auch nicht ganz klar definiert, bzw.
    scheinen sich manche uneinig zu sein...
    Und hier noch einen Sept. Sev. mit der Dea Celestis auf dem Löwen ----->



    Septimius Severus
    AR Denar, Rom 202 – 210 n. Chr.
    Av. SEVERVS PIVS AVG / Kopf mit Lorbeerkranz n. r.
    Rv. INDVLGENTIA AVGG / Dea Caelestis n. r. auf Löwen reitend, halt Blitzbündel und Szepter, dahinter l. Felsen mit Wasserfall. Im
    Abschnitt IN CARTH.
    Gewicht: 3,19 g. Durchmesser: 18 mm.
    Ref. RSC 222, RIC 266, Sear 5/6285.
    Erhaltung: Fast vorzüglich. Randriß.
    Ex. Münzhandlung Schulten, Liste August 1990, Nr. 32.

    Andicz schrieb:

    Justus, eine Frage zu den Portraits.
    Die Kaiser sind ja ohne Drapierung, also sozusagen "schulterfrei" dargestellt.
    Sind das jetzt Büsten (da man ja die Schulter von hinten erkennt) oder Köpfe?
    In Beschreibungen ist das manchmal auch nicht ganz klar definiert, bzw.
    scheinen sich manche uneinig zu sein...
    Büsten sind immer drapiert, gepanzert, im Imperialmantel usw. also mit Kleidung. Köpfe sind immer nur mit Lorbeerkranz oder barhäuptig, also ohne jede Art von Bekleidung usw., ok ?
    Severus Alexander fehl auch noch ----->



    Severus Alexander
    AR Denar, Rom 222 – 235 n. Chr. (undatiert).
    Av. IMP C M AVR SEV ALEXAND AVG / Belorbeerte Büste n. r.
    Rv. ANNO - NA AVG / Annona mit Ähren u. Füllhorn n. l. Modius zu ihren Füßen.
    Gewicht: 2,70 g. Durchmesser: 20 mm.
    Ref. RIC 133ff., Kampmann 62.15.
    Erhaltung: Sehr schön.
    Ex. Numismatik Lanz, April 2008 - °CC381.
    Sehr schöne Stücke! Vor allem der mit dem Löwen gefällt mir sehr sehr gut!!!
    Severus Alexander hab ich leider noch nicht in meiner Sammlung, bzw. nur einen nicht so schön erhaltenen.
    Die jünglinghaften Büsten finde ich sehr schön anzusehen.

    Das mit den Köpfen und Büsten war ja ganz einfach :)
    Ich dachte immer, dass hat damit zu tun, bis wohin der Gezeigte sichtbar ist, also bis zum Hals
    oder bis zu den Schultern. Das macht es jetzt auf jeden Fall viel viel einfacher!!! Danke!
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