Angepinnt Bestimmung von Antoninianen

    Bestimmung von Antoninianen


    Vorderseite – Legende oder Umschrift
    Die Vorderseite zeigt die Umschrift „IMP AVRELIANVS AVG“. IMP ist eine Abkürzung für Imperator, ein Amtstitel, der schon in der Zeit der Römischen Republik den Träger einer militärischen Gewalt (imperium) bezeichnete. Und nach einem Sieg per Akklamation durch die Soldaten verliehen wurde. Mit AURELIANVS ist L. Domitus Aurelianus gemeint, ein Soldatenkaiser, der von 270 – 275 n. Chr. regierte. AUG = Augustus, ein Ehrenname. Die Legende lautet also “Imperator Aurelianus Augustus" (= Der Imperator, Aurelianus, der Erhabene).

    Vorderseite - Portrait
    Das Portrait von Aurelianus reicht bis zu den Schultern, damit handelt es sich um eine Büste und nicht um einen Kopf. Er blickt nach rechts, trägt eine Rüstung und auf dem Kopf eine Strahlenkrone.

    Rückseite – Legende oder Umschift

    Die Umschrift ORIENS AVG bezieht sich auf den Sonnnegott „Sol invictus oder Oriens“ und soll so etwas wie den „Anbruch glücklicher Zeiten als Sonnenaufgang“ verkünden. Kaiser Aurelian führte nach dem Sieg von Palmyra den „Sol Malachbel“ als alles überragenden Staatsgott in Rom ein.

    Rückseite – Portrait oder Bildnis
    Die Umschrift steht in einer Beziehung zum Bildnis des Sonnengottes Sol, der mit zum Gruß erhobener Hand nach links steht. In der linken Hand hält er einen Globus. Links und rechts befinden sich zwei Gefangene. Sol setzt den Fuß auf einen der beiden. Diese Abbildung bezieht sich direkt auf den Sieg des Kaisers über die Königin Zenobia von Palmyra im Jahre 273 n. Chr.

    Feld und Abschnitt
    Die Ziffern XXI im Abschnitt weisen auf die Münzstätte Rom hin. Der Buchstabe Q im Feld links bedeutet „QUARTA“ und steht für das 4. Offizin, in dem die Münze geprägt wurde.
    Die Münzsstätte ist bei Antoninianen, im Gegensatz zu spätrömischen Folles, nicht allein durch die Buchstaben im Abschnitt gegeben. Vielmehr kann sie nur aus der Kombination von Buchstaben/Ziffern im Abschnitt und Buchstaben im Feld erschlossen werden. In diesem Falle also „Münzstätte Rom, 4. Offizin“.

    Nominal
    Bei dieser Münze handelt es sich also um einen sog. “Æ Antoninian” (aus Buntmetall), im Gegensatz zu reinen AR Antoninianen /Silber). Der Antoninian war ursprünglich eine antike Silbermünze, die unter Kaiser Caracalla um 214 n. Chr. als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde. Der antike Name der Münze ist nicht überliefert. Die Bezeichnung Antoninian wurde erst im Mittelalter vom Namen Caracallas, nämlich Marcus Aurelius Antoninus, abgeleitet. Im 3. Jahrhundert entwickelte er sich, aufgrund der wachsenden Inflation, zur meistgeprägten Münze und wurde erst von Diokletian gegen Ende des 3. Jahrhunderts durch eine Münzreform abgelöst.

    Die korrekte Beschreibung für den Antoninian muß also lauten ----->

    Aurelianus
    Æ Antoninian (postreform), Rom 270 – 275 AD. (undatiert, Periode 3).
    Av. IMP AVRELIANVS AVG / Gepanzerte Büste mit Strahlenkrone nach rechts.
    Rv. ORIENS AVG / Sol mit zum Gruß erhobener Hand nach links stehend, hält Globus in der l. Hand, Fuß auf einem von zwei Gefangenen. Im Feld r. Q (4. Offizin). Im Abschnitt XXI.
    Gewicht: 4,17 g. Durchmesser: 24 mm.
    RIC 5a 62, Cohen 154, Sear 5/11572.
    Erhaltung: Vorzüglich. Reste von Silbersud.
    Ex. Münzhandlung Rüdiger Kaiser, Frankfurt 1993.
    mit freundlichem Gruß

    IVSTVS
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    Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.

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