Angepinnt Bestimmung von spätrömischen Folles

      Bestimmung von spätrömischen Folles




      Das Sammeln römischer Münzen kann ein interessantes Hobby sein, da diese fast 2000 Jahre alte Münzen, selbst in sehr guten Erhaltungsgraden, im Internet, aber auch auf Münzbörsen, oftmals zu erschwinglichen Preisen verfügbar sind. Am besten ist es, wenn man mit dem Sammeln von „Spätrömern“ anfängt, denn diese sind selbst im Erhaltungsgrad „sehr schön bis vorzüglich“ oft schon für 5,00 – 10,00 EUR erhältlich.
      Der „Newbie“ (Anfänger) wird allerdings bei seinen ersten Bestimmungsversuchen häufig erschrocken sein. Doch er sollte sich durch die Vielzahl der notwendigen Informationen nicht einschüchtern lassen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und ... nur Übung macht den Meister!
      Um eine römische Münze bestimmen und beschreiben zu können, muss man als erstes wissen, um welches Nominal (Münztyp) es sich handelt. Außerdem muss man das Portrait der Vorderseite, die Vorderseitenlegende, die Abbildungen der Rückseite und die Rückseitenlegende, sowie andere relevante Zeichen im Feld und im Abschnitt bestimmen.

      Im folgenden soll an Hand einer spätrömischen Münze (Follis) das Bestimmen im Einzelnen näher erläutert werden.



      Vorderseite – Legende oder Umschrift

      Unter [1] ist auf dieser Münze CONSTAN – TINVSAVG zu lesen. Die Trennung innerhalb eines Wortes muss mit einem Trennungsstrich (–) gekennzeichnet werden. Texte auf römischen Münzen sind, mit Ausnahme provinzialrömischer Münzen, in lateinischer Sprache verfasst und oft nur in abgekürzter Fassung (siehe "Abkürzungen von Legenden der Kaiserzeit und ihre Bedeutung"). Die Buchstaben J, U und W gab es nicht, stattdessen I (= I und J), V (= U und V).
      Somit ist CONSTANTINVSAVG für CONSTANTINUS AVG zu lesen. Mit CONSTANTINUS ist Konstantin der Große (= Constantinus I.), der von 307 – 337 n. Chr. regierte, gemeint. Römische Münzen weisen in der Regel den Namen des Herrschers aus, unter dem sie geprägt wurden. Römische Herrscher führten in ihrem Namen den Ehrentitel „Augustus“, welcher unter Octavian, dem späteren Augustus und Adoptivsohn von C. Julius Caesar, eingeführt wurde. Augustus wird im allgemeinen mit „AVG“ abgekürzt. Die Vorderseitenlegende liest sich somit „Constantinus, Augustus“.

      Vorderseite – Portrait

      Römische Münzen zeigen auf der Vorderseite meistens ein Bildnis des Kaisers oder der Kaiserin, unter dem oder der sie geprägt wurden. Hier wird also Konstantin I. nach rechts blickend gezeigt. Das Portrait [2] vom Hals an aufwärts dargestellt, was als „Kopf nach rechts“ beschrieben wird, im Gegensatz einer vollen „Büste“. Constantinus trägt hier einen Lorbeerkranz [3], daher nennt man das Portrait „belorbeert“. In der Literatur wird man diesen Typus also unter „Belorbeerter Kopf nach rechts“ finden.

      Rückseite – Legende oder Umschrift


      Unter [4] ist auf der Rückseite DNCONSTANTINIMAXAVG zu lesen. DN ist eine Abkürzung für Dominus Noster (= Unser Herr). CONSTANTINI ist wieder sein Name. MAX, die Abkürzung für Maximus (= der Größte) und es folgt wieder AVG für Augustus. Somit kann die Rückseitenlegende frei mit „Unser Herr, Konstantin, der Größte, Augustus" übersetzt werden.

      Rückseite – Bildnis oder Inschrift

      Diese Münze ist eine sogenannte Votivausgabe – VOT XX in einem Kranz [5]. VOT steht dabei als Abkürzung für VOTA, VOTIS oder VOTUM, und stellen ein Gelübde gegenüber den Göttern dar. Das Gelübde bezieht sich in diesem Falle auf die nächsten 20 Jahre (= XX) der Regierungszeit.

      Im Feld oder Abschnitt – Text oder Buchstaben

      Nicht alle Münzen haben Texte oder Symbole im Abschnitt. Als Abschnitt wird der Raum unterhalb der Rückseitenabbildung bezeichnet; als Feld der freie Raum links und rechts davon.
      Der Abschnitt dieser Münze enthält unter [6] ein Γ (= griechisches Gamma), unter [7] die Buchstaben SIS und unter [8] eine halbrunde Sonnenscheibe mit Strahlen. Das Γ zeigt an, in welchem Offizin (siehe "Dokumentation "Römische Münzberufe") einer Münzprägestätte die Münze geprägt wurde.
      Westliche Münzstätten verwendeten zur Nummerierung des Offizins P (= prima, 1. Offizin), S (= secunda, 2. Offizin), T (= tertia, 3. Offizin), Q (= quarta, 4. Offizin) usw. Münzstätten im Osten benutzten dagegen häufig griechische Buchstaben (A, Β, Γ, Δ, Є, Z für 1, 2, 3, 4, 5, 6 usw.)
      Das Γ zeigt in diesem Falle an, dass die Münze im 3. Offizin geprägt wurde. Die Buchstaben SIS sind die Abkürzung für die Münzstätte Siscia (= Sisak im heutigen Kroatien). Bestimmte weitere Symbole lassen sich wohl am besten als „Serienzeichen“ interpretieren. Die verwendet wurden, um die Münze einer bestimmten Produktionsserie zu zuordnen. Dies ist in diesem Falle die halbrunde Sonne.

      Münztyp oder Nominal

      Größe, Gewicht, Abbildungen und Legenden, sowie das Prägedatum einer Münze, sind für die Bestimmung des Münztyps entscheidend. Hier handelt es sich um einen Æ Follis von Constantinus I. mit einem Gewicht von 3,11 g und einem Durchmesser von 21 mm. Material ist eine Kupferlegierung (abgekürzt Æ). Folles von dieser Größe werden als „Æ 2 Follis“ bezeichnet (siehe „Römische Nominale – Wert, Material, Merkmale, Gewicht und Durchmesser“).

      Referenz

      An Hand dieser Daten läßt sich nun die entsprechende Referenz für diese Münze in Nachschlagewerken wie z. B. RIC, Cohen, BMC, Sear, Kampmann (Die Münzen der römischen Kaiserzeit) oder im Internet (wildwinds.com/coins/, acsearch.com) finden. In diesem Falle handelt es sich um RIC VII Siscia 180, geprägt AD 321 - 324.
      mit freundlichem Gruß

      IVSTVS
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      Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Was auch immer du tust, tue es weise und bedenke das Ende.

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